Rückschau

Ereignisse des Jahres 2019


Sagenhaftes Mykene

Führung durch die Ausstellung in Karlsruhe (Badisches Landesmuseum im Schloß)

Durch die Ausstellung, die am 1. 12. 2o18 öffnet, wird uns die Kuratorin, Frau Dr. Katarina Horst, führen.
Auch hier ist die Zahl der Teilnehmer beschränkt und deshalb eine Voranmeldung sinnvoll und ab jetzt schon möglich, elektronisch oder postalisch (an die oben genannten Adressen), und begleitet von einer Überweisung in Höhe von 1o € auf das Konto der Lebendigen Antike bei der Spark. Vorderpfalz: DE58 5455 oo1o o193 2872 73 mit dem Vermerk „Mykene“.

Dr. Katarina Horst ist Abteilungsleiterin „Sammlungen und Wissenschaft“ beim Badischen Landesmuseum und als Leiterin des „Referats Archäologie“ seit langem auch Kuratorin einschlägiger Ausstellungen wie „Im Labyrinth des Minos. Kreta: die erste europäische Hochkultur“ (2oo1), „Eurolog“ (gemeinsam mit griechischen, italienischen und türkischen Kollegen, 2o13).

Mittwoch, 23. Jan. 2o19, 15 Min. vor 16 Uhr
Treffpunkt: Eingangsraum des Museums (Kasse)

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Carl Orff: „Der Mond“ und „Astutuli“

Die szenische Rezitation, von Orff selbst kreiert und vom Rezitator in zahlreichen Darbietungen übernommen, ist ein „Einmanntheater“, eine nur vom Schlagwerk unterstützte Graphik, ein Spiel der Zeichen, das dennoch das Werk als Ganzes präsentiert und erlebbar macht.

Die umfangreiche Orff-Tradition des Theodor-Heuss-Gymnasiums ist dokumentiert in:
KLEINES WELTTHEATER
Studioaufführungen aus dem Bühnenwerk von Carl Orff am Theodor-Heuss-Gymnasium Ludwigshafen am Rhein.
Eine Dokumentation mit Beiträgen von Klaus Eyselein, Claus Thomas und Werner Thomas,
212 Seiten, herausgegeben von Werner Kamm, Mannheim 1992

Prof. Dr. Claus Thomas war Hochschullehrer an der Musikhochschule Freiburg, Konzert- und Oratoriensänger, Regisseur, Dozent am Mozarteum in Salzburg und Mitarbeiter von Carl Orff. Im kurpfälzischen Raum sind seine Inszenierungen in Studioaufführungen mit seinem Bruder Werner am Theodor-Heuss-Gymnasium Ludwigshafen in guter Erinnerung.

Prof. Dr. Claus Thomas, Freiburg im Breisgau
Mittwoch, 13. Februar 2o19, 19 Uhr 3o
im Theater im Pfalzbau

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Ereignisse des Jahres 2018


Die Etrusker – Weltkultur im antiken Italien

Besuch der Ausstellung im Karlsruher Schloß

Anmeldungen zur Führung am 8. Februar 2o18 sind noch möglich (s. unten).

Die Ausstellung beginnt im Dezember und zeigt „in Kooperation mit dem italienischen Kulturministerium ein umfassendes Porträt der etruskischen Kultur. Spektakuläre Exponate, begleitet von originalgetreuen Rekonstruktionen und interaktiven digitalen Features, zeichnen ein facettenreiches Gesamtpanorama etruskischer Lebenswelten.“

Durch die Ausstellung wird uns voraussichtlich die Kuratorin, Frau Susanne Erbelding, führen; die Zahl der Teilnehmer ist, wie üblich, beschränkt; deshalb bitten wir um rechtzeitige Voranmeldung: elektronisch (kuntz_9934@hotmail.com), oder postalisch: Dr. Fr. Kuntz, 67454 Haßloch, Am Schlossergraben 16c) und um die Überweisung von 1o € (für den Eintritt auf das Konto der Lebendigen Antike bei der Sparkasse Vorderpfalz: DE 58 545 5oo 1oo 193 287 273.

Treffpunkt: Foyer des Badischen Landesmuseums, Zeitpunkt: 15 Minuten vor 16 Uhr am 8. Febr. 2o18.

Ein ergänzender Hinweis: Das Archäologische Museum Frankfurt am Main zeigt bis zum 4. Februar „Götter der Etrusker – zwischen Himmel und Unterwelt“.

Das Stadtmuseum Ludwigshafen zeigt vom 26. 1. bis 29.7.2o18 eine Sonderausstellung zu den Rheingönheimer Kastellen in Kooperation mit der Außenstelle Speyer der Direktion Landesarchäologie, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Eine Führung ist für Mittwoch, 2. Mai, 17 Uhr 3o vorgesehen. Voranmeldung bitte wie oben („Etrusker-Ausstellung").

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Die Orestie des Aischylos – Geburtsstunde der Demokratie

Die Orestie des Aischylos als Trilogie der drei Tragödien Agamamemnon, Choephoren (wörtlich: „Weihgußträgerinnen“, weil die den Chor bildenden kriegsgefangenen troischen Frauen eine Totenspende für Agamamnon darbringen) und Eumeniden, hat bei der ersten Aufführung im Jahre 458 v. Chr. im Dionysostheater in Athen sogleich Erstaunen und Bewunderung erregt.

Den Handlungskern kannte der Zuschauer aus der alten epischen Überlieferung im Voraus: Die Rückkehr Agamemnons aus dem Krieg um Troja, seine Ermordung durch Aigisth und durch die eigene Frau Klytaimestra, sodann die Rache, die der Sohn Orest an Aigisth und der eigenen Mutter nimmt. Unter dem Titel Eumeniden konnte sich der Zuschauer damals nichts vorstellen.

Hier hat Aischylos kühne Neuerungen gewagt, indem er in den alten Mythos Elemente seiner eigenen Zeit implantiert und dabei die Ablösung des alten Racheprinzips durch die demokratische Entscheidung einer Rechtssicherheit gewährenden Institution so dargestellt hat, daß Konflikte und Diskussionen der eigenen Zeit in der Hülle des alten Geschehens spürbar werden.

Die Orestie hat seit langem einen festen Platz im heutigen Theater, ist sie doch die erste poetische Reflexion der Möglichkeit einer Versöhnung durch die Ablösung des Racheprinzips mit rechtsstaatlichen Mitteln einer demokratischen Gesellschaft.

Prof. Dr. Hellmut Flashar, Bochum/München)
Mittwoch, 7. März 2o18, 19 Uhr 3o im Bürgerhof

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Das Heilige und Große Konzil der Orthodoxen Kirche 2o16:

Die Orthodoxe Kirche nach dem Konzil

Im Juni 2o16 hat ein sehr gewichtiges Synodalereignis für die Orthodoxie stattgefunden. Vertreter von zehn aus den vierzehn Orthodoxen Kirchen sind zusammengetroffen und haben über eine große Breite von Themen diskutiert, die die Ostkirche, ihre Stellung und ihre Aufgaben in der heutigen Welt betreffen:

Säkularisierung, Religion, Wissenschaft und Bildung, mission und Evangelisierung, die orthodoxe Diaspora, das Fasten heute, das oft schwierige Verhältnis der Orthodoxie zur Ökumene waren Themen, die das Konzil von Kreta beschäftigt haben.

Warum hat man sich für die Einberufung dieses Konzils entschieden? Warum sollte es etwa 1oo Jahre mit seiner Vorbereitung dauern? Welche Spannungen haben die Realisierung dieses synodalen Ereignisses bis zur letzten Minute gefährdet? Was wurde auf Kreta beschlossen? Wie wird das Konzil von den Kirchen rezipiert und wie reagieren die fundamentalistischen Anti-Ökumeniker darauf? Und welches sind die Herausforderungen, mit denen die Orthodoxie heute konfrontiert wird? Darf man mit einer Stärkung von panorthodoxen Synodalstrukturen rechnen oder war das Konzil ein einmaliges und nicht wiederholbares Ereignis?
Der Vortrag wird versuchen, einen Überblick des Konzils von Kreta zu geben und zur spannenden nachkonziliaren Diskussion beizutragen.

Dipl.-Theol. Georgios Vlantis, M. Th., München
Mittwoch, 25. April 2o18, im Bürgerhof

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Griechisches Recht, ein verborgenes Erbe der Antike

Römisches Recht und Kanonisches Recht aus der Antike dominieren die europäische Rechtsgeschichte und wirken bis zum heutigen Tag fort. Griechisches Recht ist demgegenüber weitgehend unbekannt.

In der Frühzeit noch stark sakral geprägt, verteilt es sich auf die verschiedenen Poleis und hat es keinen einheitlichen Kanon ausgebildet.
Ebenso fehlt ein einheitlicher Träger der systematischen Ausbildung und Überlieferung wie es beim Römischen Recht mit dem Römischen Reich und beim Kanonischen Recht mit der Kirche der Fall war.

Der Vortrag geht der Frage nach, ob sich trotzdem über die griechische Rechts- und Staatsphilosophie der Antike, die Gesetzgebung Athens und über die Verfassung der Polis hinaus positiv-rechtliche Inhalte und Fortwirkungen bis heute feststellen lassen.

Dr. iur. Frank Hennecke, Ludwigshafen
Mittwoch, 6. Juni 2o18, im Bürgerhof

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„Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike“

Führung durch die Ausstellung in Speyer

An der Ausstellung sind das Historische Museum, die Außenstelle Speyer der Direktion Landesarchäologie und die Universität Heidelberg beteiligt. Die Führung wird voraussichtlich Dr. Ulrich Himmelmann übernehmen.

Die Zahl der Teilnehmer ist, wie üblich, beschränkt; deshalb ist eine frühzeitige Voranmeldung ratsam: elektronisch (kuntz_9934@hotmail.com), oder postalisch:
Dr. Friedrich Kuntz, 67454 Haßloch, Am Schlossergraben 16c);
parallel dazu bitten wir um die Überweisung von 9 € auf das Konto der Lebendigen Antike bei der Spark. Vorderpfalz: DE58 5455 oo1o o193 2872 73 mit dem Vermerk „Ausstellung Speyer“.

Mittwoch, 19. September 2o18, 16 Uhr
Treffpunkt: Foyer des Historischen Museums

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Die Ethik Epikurs

als Wissenschaft nüchtern kalkulierter Bedürfnisbefriedigung

Epikur hat bekanntlich die Lust zum höchsten Wert erklärt, hat zum Rückzug aus dem öffentlichen Leben geraten und hat seinen selig-gleichgültigen Göttern einen Wohnort zwischen den Welten angewiesen. Diese Thesen gilt es in den Zusammenhang seiner Philosophie einzuordnen. Sie versteht sich als Psychotherapie durch naturwissenschaftliche Aufklärung und geht dabei von den natürlichen Formen menschlichen Begehrens aus. Deren Befriedigung ist von Lust begleitet, findet – gestillt – dann aber in einer anderen, davon verschiedenen Art von Lust ihr Ziel. Epikur unterscheidet dabei scharf zwischen diesen natürlichen Begehrensformen und anderen, nicht natürlichen, welche sich erst im Ablauf einer teilweise fehlgelaufenen technischen und sozialen Entwicklung der Menschheit ergeben haben. Vorangetrieben wurde diese durch die spezifische Fähigkeit des Menschen, Sinneseindrücke auf Begriffe zu bingen, sie zu Erkenntnissen zu verarbeiten, als Erfahrungen zu speichern und auf deren Grundlage dann ständig Neues, z. T. auch Überflüssiges und Schädliches, zu erfinden. Epikur versucht uns zu zeigen, wie wir diese „nichtigen“ Bedürfnisse wieder auf die natürlichen zurückstutzen können, wie wir außerdem das Bewußtsein unserer Zeitlichkeit und Sterblichkeit besser ertragen können, und tritt überdies energisch dem Aberglauben entgegen, die Götter wirkten wohlwollend oder zürnend ins menschliche Leben hinein und müßten deshalb ständig durch fromme Verehrung gnädig gestimmt werden. Die in der Wissenschaft vieldiskutierte Frage, ob er an eine reale Existenz von Göttern tatsächlich geglaubt oder dies nur in Rücksicht auf die religiösen Überzeugungen seiner Zeitgenossen vorgegeben habe, soll am Ende wenigstens kurz besprochen werden.

Prof. Dr. Christoff Neumeister, Frankfurt am Main
Mittwoch, 26. September 2o18, 19 Uhr 30 im Bürgerhof

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Der Reigen nach Ovid.

Liebesqualen im 10. Buch der Metamorphosen

Die Metamorphosen Ovids aus der Zeit des Augustus bezaubern mit ihren fast 3oo Geschichten nun schon mehr als zwei Jahrtausende ihre Leserschaft. Diese nachhaltige Wirkung hängt nicht nur mit Ovids Freude am Geschichtenerzählen, sondern auch mit dem Konzept der Metamorphose zusammen.
Denn diese Verwandlungen sind in Wirklichkeit unheimliche Schöpfungsakte, in denen die sichtbare Natur um ein weiteres Element dauerhaft ergänzt wird. In der Regel wird hier ein Mensch in eine andere Existenzform – ein Tier, eine Pflanze, ein Gestein – verwandelt. Wer die Metamorphosen gelesen hat, wird die Welt mit anderen Augen sehen, weil nun mit vielen Gegebenheiten der realen Welt – mit dem Lorbeer, mit der Hyacinthe, dem Schilfrohr, den Fröschen, mit der Zypresse … – eine Geschichte verbunden ist.
Ovid faßt den Begriff der Metamorphose aber noch deutlich weiter und subsumiert unter diese menschliche Fruchtbarkeit/Schwangerschaft und psychische Konfliktzustände, die in unheimlicher Weise in den Alltag und die psychische Struktur des Individuums eingreifen und ebenso eine nachhaltige Veränderung des betroffenen Menschen und seiner Umwelt bewirken. Nicht wenige der Verwandlungen sind die Folge von fehlgelaufenen affektiven Besetzungen von Göttern und Menschen.
Der Vortrag will die Metamorphosen Ovids als poetische Proto-Psychologie des menschlichen Begehrens würdigen und hierzu den Gesang des Orpheus (Met. X) vorstellen.

Prof. Dr. Christine Walde, Mainz
Mittwoch, 1o. Oktober 2o18, 19 Uhr 30 im Bürgerhof

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Die Lust am Töten.

Öffentliche Straf- und Hinrichtungsrituale und der Tod als Spektakel im kaiserzeitlichen Rom

Die Verbreitung der griechisch-römischen Zivilisation – Sprache, Bildung, Recht, städtische Kultur und Lebensart – gilt gemeinhin als wichtigste historische Leistung des kaiserzeitlichen römischen Reiches. Dabei wird jedoch gerne übersehen, daß für die römische Gesellschaft und die Monarchie die öffentliche Inszenierung von Gewalt – in Straf- und Hinrichtungsritualen, aber auch durch die Veranstaltung blutiger Gladiatoren“spiele“ – Legitimationszwecken diente und hier grundlegende römische Wertvorstellungen propagiert wurden. Brutale Strafrituale und exzessive Gewalt, auch Massaker an wehrloser Zivilbevölkerung, sind bereits ein Kennzeichen des Kriegerstaates Rom der Republik und begleiten den Aufstieg der Tiberstadt zur führenden Militärmacht, dann zur Beherrscherin der Mittelmeerwelt. Die erbarmungslose römische Kriegführung und die Unwiderstehlichkeit römischer Waffen wurde als Ausdruck römischer virtus, Tugend, verstanden. Grausame Strafgerichte wie ‚gerechte Kriege’ (bella iusta) legitimierten die imperiale Herrschaft: Nicht nur auf den in Triumphzügen mitgeführten Bildtafeln wurden sie der Öffentlichkeit vor Augen geführt, sondern auch in Reliefs, Bildwerken u. a. im öffentlichen Raum verewigt. Sie machten zugleich den Triumph der römischen Zivilisation über Barbarei und Chaos augefällig und stellten die auch moralische Überlegenheit der römischen Ordnung vor Augen.
Die munera, blutige Gladiatorenkämpfe mit der grausamen Präsentation von Hinrichtungen als Mittelpunkt, und weitere spectacula vermittelten die gleiche Botschaft: nunmehr aber einer städtischen Bevölkerung, die nicht mehr selbst mit Militärhandwerk und Kriegen in Berührung kam. Aufwendige öffentliche Hinrichtungen als spektakuläre Tötungsakte, die Reinszenierung historischer Schlachten und die Abschlachtung von Gladiatoren und Straftätern fungierten einerseits als exempla – die Arena somit als moralische Anstalt – befriedigten aber andererseits unbestreitbar entsprechende blutrünstige Erwartungen des Publikums. Die frappierende Popularität von Tötungsdarstellungen in der Kleinkunst – etwa in Massenware wie Öllampen und Statuetten – aber auch aufwendige Bodenmosaiken bezeugen, für den modernen Menschen höchst verstörend, eine unbestreitbare römische „Lust am Töten“.

Prof. Dr. Johannes Hahn, Münster in Westf.
Freitag, 9. November 2o18, 19 Uhr 3o im Bürgerhof

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Die Orestie des Aischylos – Geburtsstunde der Demokratie

Die Orestie des Aischylos als Trilogie der drei Tragödien Agamamemnon, Choephoren (wörtlich: „Weihgußträgerinnen“, weil die den Chor bildenden kriegsgefangenen troischen Frauen eine Totenspende für Agamamnon darbringen) und Eumeniden hat bei der ersten Aufführung im Jahre 458 v. Chr. im Dionysostheater in Athen sogleich Erstaunen und Bewunderung erregt.

Den Handlungskern kannte der Zuschauer aus der alten epischen Überlieferung im Voraus: Die Rückkehr Agamemnons aus dem Krieg um Troja, seine Ermordung durch Aigisth und durch die eigene Frau Klytaimestra, sodann die Rache, die der Sohn Orest an Aigisth und der eigenen Mutter nimmt. Unter dem Titel Eumeniden konnte sich der Zuschauer damals nichts vorstellen.

Hier hat Aischylos kühne Neuerungen gewagt, indem er in den alten Mythos Elemente seiner eigenen Zeit implantiert und dabei die Ablösung des alten Racheprinzips durch die demokratische Entscheidung einer Rechtssicherheit gewährenden Institution so dargestellt hat, daß Konflikte und Diskussionen der eigenen Zeit in der Hülle des alten Geschehens spürbar werden.

Die Orestie hat seit langem einen festen Platz im heutigen Theater, ist sie doch die erste poetische Reflexion der Möglichkeit einer Versöhnung durch die Ablösung des Racheprinzips mit rechtsstaatlichen Mitteln einer demokratischen Gesellschaft.

Prof. Dr. Hellmut Flashar, Bochum/München
Mittwoch, 5. Dezember 2o18, 19 Uhr 3o im Bürgerhof

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Ereignisse des Jahres 2017


Von Athen bis Persepolis: Klassische Skulpturen im historischen Kontext

Martin Luther hat zunächst ohne jegliche Hoffnung, sodann mit Erstaunen, schließlich aber wachsender Einsicht die Übereinstimmung seiner theologischen Erkenntnisse mit dem Erbe der Alten Kirche überprüft. Auch wenn er die Kirchenväter nicht neben oder über die Schrift stellen wollte, so sah er doch in deren Nähe zum Ursprungsgeschehen einen Beweis für die Rechtmäßigkeit seiner Reformforderungen. Freilich geht er dabei nicht unkritisch vor, sondern vermag durchaus Unterschiede wahrzunehmen und zu bewerten.

Der Vortrag stellt zunächst in einem knappen Überblick den Stand der Forschung vor, beleuchtet sodann die theologiegeschichtlichen Auswirkungen des für das 16. Jahrhundert theologisch neuerlichen Ìnteresses am Erbe der Spätantike und erörtert in diesem Zusammenhang gleichermaßen die Vorstellung des „consensus quinque saecularis“ und die Möglichkeiten eines evangelischen Traditionsprinzips.

Überdies ist Luthers Aufnahme des altkirchlichen Erbes auch im historischen Kontext der Wiederentdeckung der Spätantike durch den Humanismus und das römisch-katholische Traditionsprinzip zu sehen.

Prof. Dr. Markus Wriedt, Frankfurt am Main
Mittwoch, 8. Februar 2o17, 19 Uhr 30 im Bürgerhof

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Troja – Der Schauplatz der ILIAS, archäologisch und mythologisch

Troja ist nicht nur ein bedeutender archäologischer Fundort, der mehr als 4ooo Jahre besiedelt war und deshalb als Referenzort für die Chronologie und kulturelle Entwicklung in der Nordostägäis und darüber hinaus angesehen wird.

Troja ist zweifellos der Schauplatz des in der ILIAS geschilderten Krieges, obwohl eindeutige Beweise für einen historischen Hintergrund der Troja-Sage bisher nicht gefunden wurden.

In der Antike war es weitgehend unbestritten, daß es einen Krieg um Troja gab, und das hellenistische und römische Ilion war eine bedeutende Stadt und wohl auch ein Ort der Erinnerung. Erst in der Neuzeit, als die Kenntnis von der Lage Trojas verlorenging, begann die Diskussion um den historischen Gehalt der beiden Epen, die bis heute anhält.

Die Archäologie kann auf viele Fragen zur Historizität der Epen keine abschließenden Antworten geben. Aber seit der Wiederentdeckung Trojas durch Frank Calvert und den Ausgrabungen durch Heinrich Schliemann und seine Nachfolger gibt es immerhin die Möglichkeit, den topographischen Hintergrund der Erzählung in der Ilias mit den natürlichen Gegebenheiten zu vergleichen.

Heute sind die meisten Forscher der Ansicht, daß die griechischen Heldensagen Reste von Erinnerungen an die mykenische Kultur der späten Bronzezeit enthalten. Es wird ein Überblick über die Geschichte der archäologischen Erforschung des Hisarlik gegeben, mit dem Schwerpunkt auf den neuen Untersuchungen seit 1988 in der Unterstadt.

Prof. Dr. Ernst Pernicka, Tübingen/Heidelberg
Mittwoch, 8. März 2o17, 19 Uhr 3o im Bürgerhof

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Kirche und Reich. Das Kanonische Recht als Erbe der Antike

Das zu Anfang charismatische Urchristentum hat sehr bald kirchenrechtliche Strukturen ausgebildet. Es war später, nach dem Untergang des Weströmischen Reiches, die institutionelle Verfaßtheit der lateinischen Kirche, die sich in einem weithin rechtsfreien Raum als ordnungsbildend auswirkte. Das territoriale Übergreifen auf den weltlichen Lebensraum war ebenso die Folge wie ein territorialer Herrschaftsanspruch der Kirche, der später in den geistlichen Fürstentümern des Alten Reiches unmittelbar galt und gegenüber der weltlichen Herrschaft u.a. im Investiturstreit offensiv erhoben wurde.

Parallel zur Rezeption des Römischen Rechtes setzte seit dem hohen Mittelalter eine Systematisierung und Verwissenschaftlichung des Kanonischen Rechtes ein, die ihrerseits in einer wechselseitigen Beziehung zur Rezeption des Römischen Rechts stand und zu dessen Fortentwicklung bis zu den großen Zivilrechtskodifikationen des 19. Jhs. beitrug. Die historische Weiterentwicklung führte schließlich zu Beginn des 20. Jhs. zu einer Codifizierung des Kanonischen Rechtes im „Codex iuris Canonici“, der die Rechtsverfassung der Römisch-Katholischen Kirche befestigt hat.

Das Kanonische Recht ist zugleich zu einer der Vor-aussetzungen des geltenden Staatskirchenrechtes in Deutschland geworden.

Dr. Frank Hennecke, Ludwigshafen
Mittwoch, 31. Mai 2o17, 19 Uhr 3o im Bürgerhof

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Der Schwarze Ritter. Grabmalereien unter den dorischen Tempeln von Poseidonia/Pästum

In den Nekropolen der griechisch-lukanischen Stadt Poseidonia/Pästum, hundert Kilometer südlich von Neapel, wurden bei Grabungen der letzten Jahrzehnte in der Ebene rings um die berühmten dorischen Tempel zahlreiche ungewöhnlich schöne, bemalte Kalksteinplatten freigelegt und ins Museum gebracht.

Es sind die bedeutendsten großen Malereien des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr., die uns überliefert sind. Diese Gemälde zeigen, wie die Griechen sich das Jenseits als ein ewiges Festmahl vorstellten, und wie die das südliche Kampanien bewohnenden Lukaner, welche die Stadt im 4. Jahrhundert eingenommen hatten, ihre Toten mit Wettkämpfen verschiedener Art, vor allen mit Wagenrennen ehrten.

Man kann an diesen Grabgemälden nicht nur die verschiedenen Formen der Totenehrung kennenlernen, sondern auch die Entwicklung der Malerei in den entscheidenden Jahrzehnten der griechischen Klassik von der spätarchaischen Zeit bis zum Hellenismus verfolgen. Ganz außergewöhnlich sind die lebensgroßen Wandgemälde der späten Gräber, bevor Lukanien um 300 vor Christus römisch wurde.

Prof. Dr. Bernard Andreae, Berlin
Mittwoch, 28. Juni 2o17, 19 Uhr 3o im Bürgerhof

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Marquardt Frehers „Vater Rhein“, oder: Ein Gelehrter entwirft eine römische Münze

Die Vorstellung von „Vater Rhein“ als Patron der Kurpfalz nahm im Laufe des 16. Jahrhunderts immer konkretere Formen an. Unter dem Einfluß der Humanisten hatte er sich zu einem unverzichtbaren Bestandteil der vom Heidelberger Hof propagierten politischen Ikonologie der Pfalzgrafschaft entwickelt.

Als Rechtfertigung seiner herausragenden Stellung unter den europäischen Flüssen dienten die antiken Überlieferungen in all ihren Facetten – außer einer: Man kannte aus der Antike keine authentische bildliche Überlieferung des Rheins, welche den vielfältigen Bedeutungsebenen, die der modernen Kunstfigur abverlangt wurden, gerecht werden konnte.

In dieser Situation hat der Heidelberger Universalgelehrte Marquard Freher* (1565 – 1614) eine römische Münze „rekonstruiert“. Von ihr war er überzeugt, daß es sie tatsächlich gegeben hat, konkret einen Silberdenar des Älteren Drusus (28 – 9 vor Chr.), auf dessen Revers eine Darstellung des vergöttlichten Rheinstroms zu sehen ist.

In meinem Vortrag verfolge ich die Vorgänge um die Entstehung sowie die frühe Rezeptionsgeschichte dieser „Realie“.

Dr. Hanns Hubach, Bern
Mittwoch, 18. Oktober 2o17, 19 Uhr 30 im Bürgerhof

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Führung durch die Antikensaal-Galerie im Mannheimer Schloß

Zur Führung durch die Antikensaal-Galerie im Mannheimer Schloß (Foyer im EG des Ostflügels) durch Prof. Stupperich am Freitag, 1o.11.,um 17 Uhr 45 bitten wir die Interessenten, sich umgehend anzumelden, da die Teilnehmerzahl verständlicherweise beschränkt ist; entweder unter
kuntz_9934hotmail.com oder an
Dr. Kuntz, 67454 Haßloch, Am Schlossergraben 16c

Prof. Dr. Reinhard Stupperich, Heidelberg
Freitag, 1o. November 2o17, 17 Uhr 45, Schloss - Ostflügel, Foyer im EG

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Der Mensch „selbst“ – und was er hat. Eine Grenzbegehung und eine Selbstbesinnung

Das „Selbst“ und das „Haben“: Das sind zwei speziell interessante Wörtchen, die „es“ mächtig in sich haben.
Wo liegt da die Grenze zwischen dem Menschen „selbst“ – dem, was er zuinnerst ist – und seinem mancherlei Drum und Dran – dem, was er hat? Zwischen ihm und seinem äußeren Hab und Gut, zwischen Leib und Kleid, oder noch diesseits von Leib und Leben?
Im 5. und 4. Jahrhundert haben Sokrates und Platon diese Grenze zwischen dem Innersten und dem Äusseren mit dem griechischen Wort autós / aytoq, „selbst“, markiert.

Unsere Grenzbegehung beginnt mit dem Anekdotischen wie dem geflügelten „omnia mecum porto mea“, betrachtet die „Apologie des Sokrates“, wo Platon die Brücke schlägt vom heroischen Selbst des Achilleus zu dem unmenschlichen des Sokrates, deutet dann hinüber auf das Jesuswort „Was kann es dem Menschen helfen, wenn er die ganze Welt gewönne …“ und führt schließlich zu Senecas engagierter, ja flammender Bildungskritik und zuletzt zu einem wenig bekannten Platonischen Inkognito in Olympia und zu einem „sprechenden Stein“ in Rom an der Via Sistina.

Moderne Schlagwörter wie Selbstfindung und Selbstkompetenz, Selbstverantwortung und Selbstverwirklichung zeugen von der Aktualität dieser antiken Besinnung auf das „Selbst“ des Menschen.

Prof. Dr. Klaus Bartels, Zürich
Mittwoch, 15. November 2o17, 19 Uhr 3o im Bürgerhof

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Troizen, die Stadt des Theseus: Mythos – Geschichte – Erforschung

Troizen, eine kleine Stadt südlich von Epidauros auf der „Daumenspitze“ der Peloponnes, gleich gegenüber von Athen, wenn man den Saronischen Golf durchquert, hatte im Mythos wie in der Geschichte enge Beziehungen zu Athen. Hierher stammt Athens bekanntester Heros, Theseus, hierher brachten die Athener ihre Bevölkerung 48o v. Chr. vor den Persern in Sicherheit, und noch heute gehört das Gebiet verwaltungsmäßig offiziell zu Attika.

Mit Erlaubnis der zuständigen Ephorie im Piräus haben wir mit einer kleinen Studentengruppe und einigen befreundeten Australiern einen Survey gemacht; dabei wurden die vor gut 8o Jahren von dem deutschen Archäologen Gabriel Welter untersuchten Überreste der Stadt neu vermessen und, durch Neufunde ergänzt, kartiert.
So ergibt sich ein – wenn auch erst rudimentäres – Bild einer archaischen Stadt auf einem Bergsporn mit darunterliegender Agora mit altehrwürdigen Tempeln, die Pausanias beschreibt, nördlich davon einer planmäßig im hippodamischen Rastersystem erweiterten Stadtanlage in der Ebene, deren Stadtmauern von römischen Grabbauten gesäumt waren.

Ein externer Heiligtümer-Komplex, dessen Kern dem tragischen Schicksal von Theseus’ Sohn Hippolytos und seinem Arzt Asklepios verbunden ist und den schon Welter ausgegraben hat, bietet noch Stoff zu weitergehenden historischen Kombinationen.

Prof. Dr. Reinhard Stupperich, Heidelberg
Mittwoch, 29. November 2o17, 19 Uhr 3o im Bürgerhof

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Ereignisse des Jahres 2016


Von Athen bis Persepolis: Klassische Skulpturen im historischen Kontext

Die erste Veranstaltung im neuen Halbjahr ist eine Führung durch die Abgußsammlung im Antikenmuseum der Heidelberger Universität. Herr Dr. Pflug hatte es uns im Jahr 2oo7 in einem Vortrag vorgestellt. Da die Abgußsammlung für längere Zeit geschlossen wird, ist er bereit, uns am 11. Februar noch die klassischen Skulpturen in ihrem geschichtlichen Zusammenhang vorzustellen.

Die Führung ist wie üblich auf 20 Teilnehmer beschränkt; deshalb bitten wir um rechtzeitige Voranmeldung, elektronisch, telefonisch oder postalisch (e-mail: kuntz_9934@hotmail.com, tel.: o6324-3179, Post: Dr. Fr. Kuntz, 67454 Haßloch, Am Schlossergraben 16c)
und um Überweisung von 8 € auf das Konto der Lebendigen Antike
(DE 29 545 2o1 94o 315 3o4 938 bei der Hypovereinsbank Ludwigshafen).

Die S-Bahn verkehrt in Richtung Heidelberg halbstündlich; ab Hbf Heidelberg (Nordausgang) fährt die Buslinie 32 bis zur Haltestelle „Marstallstraße“.

Dr. Hermann Pflug, Heidelberg
Donnerstag, 11. Februar 2o16, 18 Uhr
Heidelberg, Marstallhof 4 (Marstallhof)

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Von Sonne, Jahr und Schalttag.

Altrömische und ägyptische Ursprünge unseres Kalenders

Seit zwei Jahrtausenden, seit dem 1. Januar 45 v. Chr., steht Julius Caesars „Julianischer“ Kalender mit einer einzigen, geringfügigen Korrektur bei uns – und weltweit – in Geltung. Der altrömische Mondkalender war, so Theodor Mommsen, „weder nach der Sonne noch nach dem Mond, vielmehr gänzlich ins Wilde“ gegangen, genau: mit dem Schlendrian seiner Schaltmonate immer wieder bis zu 90 (!) Tagen vorgegangen. Von seinem Tête à tête mit Kleopatra in Alexandria hatte Julius Caesar ein altägyptisches Sonnenjahr und eine Ptolemäische, dort verschmähte Schalttags-Idee nach Rom gebracht.

Ein Kalender greift tief ein ins tägliche Leben. Klaus Bartels schildert, wie der Dictator den fremden ägyptischen Sonnenkalender für die traditionsbewußten Römer täuschend römisch einkleidete und ihm mit einem Meisterstück der politischen Verpackungskunst eine scheinbar unveränderte Benutzeroberfläche verpaßte.

Der Referent blickt zurück auf die Gregorianische Kalenderkorrektur von 1582 und voraus auf die nächste Korrektur im Jahre 4ooo und verrät schließlich noch, warum dieser 24. Februar 2o16 gerade ein Mittwoch ist und darauf die Wochentage Do, Fr, Sa, So, Mo, Di folgen.

Prof. Dr. Klaus Bartels, Kilchberg bei Zürich
Mittwoch, 24. Februar 2o16, 19 Uhr 3o im Bürgerhof

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Lebendige Antike – der Tempietto Bramantes in Rom

Der herausragende Architekt der Hochrenaissance, Donato Bramante, bekam 15o2 den Auftrag, über dem angeblichen Ort der Kreuzigung Petri ein Erinnerungsmonument zu errichten. In der beengten Raumsituation eines Hofes entstand ein Rundtempelchen, das trotz der kleinen Dimensionen zu einem der wichtigsten Bauten der Renaissance wurde. Die Tholos mit dem freistehenden Säulenkranz und erstmals seit der Antike rein dorischen Formen war so ungewöhnlich, daß sie den Pilgern als antiker Bau erscheinen mußte, der dadurch die Altehrwürdigkeit des Ortes bezeugte. Dies war wohl Absicht, „lebendige Antike“.

Sowohl Sebastian Serlio wie auch Andrea Palladio führten den Tempietto in ihren Traktaten absichtlich unter den antiken Gebäuden als wiedergefundene „buona e bella Architettura“, die seit der Antike verloren gewesen sei. Seine Wirkung war enorm, denn Bramante war durch die bei einem Rundbau – zumal mit geringem Durchmesser – sehr anspruchsvolle Dorica zu ungewöhnlichen und zukunftsweisenden Lösungen angespornt worden, die sich schnell herumsprachen. In der Folge suchten alle Renaissancearchitekten von Rang diesen kleinen Bau auf, vermaßen und zeichneten ihn, lernten dabei für ihre eigenen Werke. Bramante selbst entwickelte bei seinem nächsten Auftrag, dem riesigen Neubau von St. Peter, etliche dort entstandene Ideen weiter. Planungen für einen das Tempelchen rahmenden Rundhof kamen dagegen nicht zum Zuge, dafür erfuhr er bereits zu Lebzeiten Bramantes funktionale Änderungen, die sich im Laufe der Zeit fortsetzten, bis er seine heutige Form erhielt.

Prof. Dr. Manfred Schuller, TU München
Mittwoch, 2o. April 2o16, 19 Uhr 3o im Bürgerhof

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Die Antike in der Vielfalt ihres Weiterlebens bis in die Gegenwart

Bei Schülern ist die Neigung zu Latein und Griechisch vielerorts zurückgegangen; so schwindet bei ihnen auch das Interesse an der Klassischen Antike. Vor dem Aufkommen der modernen Medien war das anders. Man besuchte Antikensammlungen und stand zum Beispiel vor dem Porträt des Sokrates. Von Interesse war nicht nur seine Philosophie, sondern auch die Frage, wieweit seine Ideen später nachwirkten. Heute fragt man sich: Dient die Wiedergabe seines Gesichts mit der Stupsnase noch immer als Hinweis auf seine Philosophie oder nur noch als karikaturhaftes Symbol eines verblichenen Griechenlands, als Erinnerung seiner einstigen kulturellen Hochblüte?

Dies ist nur eines der Beispiele, die man unendlich erweitern kann, - auf einem breit gefächerten Gebiet. In der Tat lebt und wirkt die Klassische Antike bis in unsere Zeit, nicht nur in den verschiedenen Sparten der Hochkultur etwa der Malerei, der Plastik, der Baukunst oder dem Theater, sondern auch im Alltag, in der Umgangssprache, der Werbung, der Karikatur, der Religion und in den Mythen.

Zum Autor
Der Schweizer Klassische Archäologe war bis 1986 Mitarbeiter am Basler Antikenmuseum, bevor er dreizehn Jahre die Direktion des Museums zu Allerheiligen in Schaffhausen innehatte. Bekannt geworden ist er durch seine neuen Deutungen, die meist mit Experimenten verbunden sind: Die Zeichentechnik der rotfigurigen Vasenmaler – Die vielbrüstige Artemis von Ephesos – Der Ursprung der phrygischen Mütze – Der Ursprung der griechischen Theatermaske – Das Rätsel der Kykladen-Idole – Athena, Herrin des Großen Pergamonaltars – u.a.m., bis hin zu fachfremden Themen: Die Entwicklung der Christi-Geburt-Szenen – Die Fachwerkarchitektur – Die Geschichte des Gipses etc.

Dr. Gérard Seiterle, Ermatingen (Thurgau)
Mittwoch, 22. Juni 2o16, 19 Uhr 3o im Bürgerhof

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Gergovia oder Wie man mit sprachlichen Mitteln eine Niederlage minimiert

In diesem Vortrag wird zunächst untersucht, wie Caesar bei der Darstellung der Schlacht von Gergovia (im Siebten Buch seines Gallischen Krieges) die Niederlage durch sprachliche Mittel minimiert, dann wird betrachtet, welche Faktoren er für die Niederlage verantwortlich macht. Dabei wird sich zeigen, daß Caesar letztlich die Niederlage auf einen einzigen kurzen Satz zusammendrängt, der im Kontinuum der Erzählung aber nachgerade verschwindet.

Die konkreten Mittel, die Caesar bei dieser Darstellung der Ereignisse einsetzt, sind aber durchaus denen vergleichbar, die auch moderne Medien immer wieder benutzen, um beim Zuschauer oder Leser bestimmte Eindrücke zu evozieren. Diesen – gerade auch für eine Umsetzung in der Schule – relevanten Aspekten wird der letzte Teil des Vortrags gewidmet sein.

Prof. Dr. Tamara Choitz, Mainz/Andernach
Mittwoch, 14. September 2016, 19 Uhr 30 im Bürgerhof

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Rezeption der Antike am Beispiel des Römischen Rechts – vom Mittelalter bis zur Europäischen Union

Die mehrfache Rezeption der Antike in der Kulturgeschichte West- und Mitteleuropas bestand im bewußten Wiederaufgreifen antiker Überlieferungen nach einem als solchem empfundenen Traditionsverlust.

Das juristische Erbe des Römischen Reiches ist nach dessen Untergang hierbei auf sehr unterschiedliche Weise wiederaufgenommen worden. Zum einen das staatsrechtliche Erbe in der Wiederherstellung des „römischen“ Kaisertums und der „renovatio imperii“ des frühen und hohen Mittelalters, zum anderen in der Rezeption des Römischen Privatrechtes seit dem späten Mittelalter

Insbesondere das Römische Privatrecht hat die Rechtskultur vornehmlich in Mitteleuropa nachhaltig verändert und bis zum heutigen Tag geprägt, aber auch soziale Veränderungen verursacht. Über das Römische Recht sind Gerechtigkeitsvorstellungen und Menschenbild der Antike bis in die Gesetzgebung des Bürgerlichen Gesetzbuchs in Deutschland eingegangen.

So bleibt die Frage, was vom Römischen Recht in der Europäischen Union, die nach ihrer Identität fragt, fortbesteht, noch gilt und zur Identitätsfndung beiträgt.

Dr. Frank Hennecke, Ludwigshafen
Mittwoch, 5. Oktober 2o16, 19 Uhr 3o im Bürgerhof

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Happy desaster. Ambrosius, Bischof von Mailand, über den Sinn des Bösen in der Welt

Die Frage nach dem Woher, Warum und Wozu des Bösen in der Welt ist unbestritten immer aktuell. Und deshalb fnden sich auch zahlreiche Versuche einer Antwort auf diese Fragen aus verschiedenen Epochen und theologischen oder auch nichttheologischen Kontexten.

Der Referent wird ein Konzept vortragen, das Ambrosius, gebürtiger Trierer und späterer Bischof von Mailand, in der zweiten Hälfte des 4. Jhs n.Chr. im Rahmen der Auslegung der biblischen Paradiesesgeschichte seiner Mailänder Zuhörerschaft in Predigten vorgetragen hat.
Dieses Konzept stellt die göttliche Gnade in den Mittelpunkt des göttlichen Heilshandelns, ohne allerdings den freien Willen des Menschen als Voraussetzung seiner Sündenhandlung außer acht zu lassen.
Diese Themenstellung überrascht und wird traditionell weniger mit Ambrosius als vielmehr mit Augustinus in Verbindung gebracht.
Es soll deshalb nach den - theologischen und/oder philosophischen Hintergründen im Mailand des 4. nachchristlichen Jahrhunderts gefragt werden, die Ambrosius dazu angeregt haben könnten, eine eigentlich augustinische Problemstellung vor Augustinus und dazu noch in seiner ersten bibelexegetischen Schrift (als NichtTheologe) behandelt zu haben.
Ausgangspunkt des Vortrags ist die Veröffentlichung des Referenten „Ambrosius: De paradiso. Übersetzung mit Erläuterungen zum Inhalt und zum literarischen Hintergrund“ (Hamburg 2o13), die den lateinischen Text mit deutscher Übersetzung vorlegt.

Dr. Wolfgang Bietz, Zornheim
Mittwoch, 9. November 2o16, 19 Uhr 3o im Bürgerhof

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Ereignisse des Jahres 2015


Prometheus - Napoleon - Beethoven

oder: Worum geht es in Beethovens dritter Sinfonie?

Die Frage nach dem Inhalt einer Sinfonie mag für manche ketzerisch erscheinen, gilt doch gerade Beethoven als der Meister der sog. Absoluten Musik, in der alles - ohne außermusikalischen Bezug - auf sich selbst bezogen und aus sich selbst heraus zu verstehen ist, sich mithin nur dem geschärften analytischen Geist erschließt. Dieser steht allerdings in krassem Widerspruch zu dem, was ein Konzertbesucher normalerweise erlebt: Schon Gestus von Dirigent und Orchester zeugen von dramatischen Inhalten der Musik, die einem in der Regel aber niemand erklärt.

Die wenigsten wissen, daß Beethovens „Eroica“ der Prometheus-Mythos zu Grunde liegt. Eher bekannt ist die Tatsache, daß die Sinfonie ursprünglich Napoleon gewidmet war; Beethoven soll die Widmung zerrissen haben, als er davon erfuhr, daß Napoleon sich zum Kaiser gekrönt hat. Der ursprüngliche Titel „Sinfonia grande/intitolata Bonaparte …“ wurde ersetzt durch „Sinfonia composta per festiggiare il sovvenire di un grand Uomo.“ Wer aber ist der „große Mann“, was macht seine Größe aus? Müssen wir hier spekulieren und unserer Fantasie freien Lauf lassen? Oder gibt es Hinweise auf das, was Beethoven tatsächlich zum Ausdruck bringen wollte?

Der Vortrag geht in diesem Zusammenhang einigen interessanten Fragen nach, u.a.: Was hat es mit Beethovens unbekanntem Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“ auf sich? Warum zitiert sich Beethoven in der Eroica selbst mit Musik aus diesem Ballett? Welche heroischen Stoffe aus der Antike haben die Musiker (und nicht nur diese) interessiert? Warum und von wem wurde Napoleon als Prometheus seiner Zeit gesehen? Wieviele prometheischen Eigenschaften hat Beethoven, der ebenfalls als Titan bezeichnet wird, in sich selbst gesehen?

Oberstudiendirektor Friedrich Burkhardt, Ludwigshafen
Mittwoch, 23. September 2o15, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Byzanz und das antike griechische Erbe

Byzanz – Konstantinopel – Ostrom ? Dem Selbstverständnis des byzantinischen Staates als „Römischen“ Staates (so die Selbstbezeichnung) ist es zu verdanken, daß die griechische antike Kultur, besonders ihre literarischen Erzeugnisse, in unsere Zeit hinübergerettet wurden.

Nach der Erörterung der Bezeichnung „Byzantinischer Staat“ bzw. Byzanz und der Gründung Konstantinopels als im griechischen Osten des römischen Reiches gelegenem Regierungssitz sollen die Folgen dieser Entscheidung für die Entwicklung einer Kultur, die sich bei allen neuen Tendenzen in der Tradition des griechischen Erbes sah, besprochen werden.

Ein besonderes Augenmerk verdienen hierbei einige Gattungen der griechisch-hellenistischen Literatur, ihre Rezeption und Bedeutung in Staat und Gesellschaft.

Gudrun Schmalzbauer ist eine der wenigen Vertreter/innen des Faches Byzantinistik im deutschen Sprachraum. Sie betont den Zusammenhang des Faches mit Ostkirchenkunde und der Kulturgeschichte der slawischen Völker; die Antike lebt auch bei diesen Völkern und ganz wesentlich in den Orthodoxen Kirchen weiter.

Prof. Dr. Gudrun Schmalzbauer, Trier
Mittwoch, 14. Oktober 2o15, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Pontius Pilatus und der „politische“ Jesus

Seit dem Babylonischen Exil gab es den Traum von einer Erneuerung des Großreiches Davids durch einen Nachkommen, eine messianische Gestalt.

Solche Gestalten traten um die Zeitenwende auf, wobei die politische Dimension sich ins Kosmische erweiterte.

Jesus ist gewiß ein Sonderfall, wurde aber auch von seinen Anhängern politisch verstanden. Seine Gewaltworte bei Lukas und Matthäus machen das Urteil des Pilatus verständlich.

Alexander Demandt, Prof. emeritus für Geschichte an der Freien Universität in Berlin, hat in der Lebendigen Antike Ludwigshafen im Jahr 2oo4 über “Alexander der Große in der Kunst“ und i. J. 2oo7 über „Constantin der Große. Geschichte, Archäologie und Rezeption“ (im Zusammenhang mit der Konstantin-Ausstellung in Trier, an der er mitgewirkt hat) referiert. Von seinen zahlreichen Büchern sei hier stellvertretend genannt: Der Idealstaat. Die politischen Theorien der Antike, Köln 1993

Prof. Dr. Alexander Demandt, Lindheim
Mittwoch, 11. November 2o15, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Ereignisse des Jahres 2014


Aufblühende Antike:

Die arabische Alchemie

Der Begriff der Antike allein fußt auf der Idee ihres Untergangs; die Lebendige Antike, der ich so viele spannende Abende als Schüler verdanke, ist demgegenüber fast eine Beschwörung andauernder Relevanz.

In meinem Vortrag möchte ich dieses Narrativ für den Vorderen Orient überdenken und am Beispiel der arabischen Alchemie zeigen, wie antike Strukturen nicht nur rudimentär vor sich hinvegetieren, sondern im Wortsinne aufblühen.

Hierzu möchte ich anhand einiger emblematischer Vermittlerfiguren vorstellen, wie in alchemistischer Literatur arabischer Sprache der Rückgriff auf die Antike modelliert wird.
Daraufhin möchte ich zeigen, wie besonders die antike Naturphilosophie im Zuge der Ausdifferenzierung der alchemistischen Wissenschaft weitergedacht wurde.

Schließlich möchte ich am Beispiel einer Sammlung arabischer alchemistischer Rezepte, die sich auf einen der eminentesten Theologen der klassischen islamischen Gelehrsamkeit zurückführt, die Selbstpositionierung arabischer Alchemie gegenüber antikem Erbe diskutieren. So kommen wir von etwas unerwarteter Seite zurück zur alten Gretchenfrage:
Wie hält’s der Islam mit der Antike und damit auch mit einem sich auf die Antike berufenden Europa?

Georg Leube, Universität Bayreuth
Mittwoch, 12. Februar 2o14, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Der Trojanische Krieg in der frühen griechischen Bildkunst:

Ein Paradigma griechischer Wertvorstellungen?

Der Krieg gegen Troia war für die Griechen die mythische Bühne von großen Leistungen und Tugenden, auf die sie ihre kulturelle Identität begründeten. Dabei ist es in höchstem Maß irritierend, daß dieser Krieg alles andere als ein strahlender Erfolg ist und seine Protagonisten weit von vorbildhaften Helden entfernt sind.
Gegenüber der ILIAS Homers verstärken die Bilder auf den Vasen der archaischen Zeit diese dunklen Aspekte noch mehr:
Sie zeichnen um die Gestalt des Achill ein Bild des Heldentums, das weite gesellschaftliche Aspekte umfaßt:
Die Erziehung bei Chiron , den erotischen Konflikt mit den trojanischen Königskindern Troilos und Polyxena, das spannungsreiche Verhältnis zu den gleichrangigen Gegnern Hektor und Memnon und die ambivalente Beziehung zu Penthesilea, und im Todesschicksal die Verbindung zu dem zweitgrößten Helden Aias; schließlich die Eroberung Troias mit unerhörten Grausamkeiten und Sakrilegen, und am Ende die Heimkehr mit neuen Mühen und schwerem Unglück.

Wie konnte eine solche Geschichte zum fundierenden Mythos der griechischen Kultur werden?
Die Bilder zeigen, daß die mythischen Helden und Ereignisse in Griechenland nicht paradigmatische Leitbilder zur Verehrung und Nachahmung darstellten, sondern ‚große’ Gestalten und Geschehnisse, in denen das gesellschaftliche Leben in seiner ganzen Ambivalenz reflektiert werden konnte.
In dieser Funktion, nicht als Vorbild sondern als Aufgabe, provozierten die griechischen Mythen die spezifischen Kräfte der griechischen Kultur.

Prof. Dr. Tonio Hölscher, Heidelberg
Mittwoch, 12. März 2o14, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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... ex lignis barbarico ritu constrictum.

Germaniens ‘hölzerne Antike’ als Architekturmotiv im 15. und frühen 16. Jahrhundert

In diesem Vortrag geht es um ‚Holzbauten in Stein’, konkret um die architekturgeschichtliche Herleitung und Deutung des in der süddeutschen Architektur der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts aufkommenden naturalistischen Astwerks.

Bisher ging man davon aus, daß die damaligen Architekten dieses Motiv ab ca. 1470 aus den Texten von Vitruv und Tacitus übernommen hätten.

Allerdings läßt sich das naturalistische Astwerk in seiner voll entwickelten Form bereits vor der Wiederentdeckung der Germania des Tacitus nachweisen.
Am Beispiel eines um oder kurz nach 1500 im Elsaß, vermutlich in Straßburg, entstandenen Astwerkportals werde ich ein bisher wenig beachtetes, zeitgenössisch-humanistisches Deutungsmodell vorstellen und erläutern; auf seiner Grundlage konnten vor allem jene betont illusionistischen, nur roh zurechtgestutzten und scheinbar primitiv mit Stricken zusammengebundenen Äste zeichenhaft als Hinweis auf eine der klassischen Antike kulturell gleichwertige germanische Vorzeit verstanden werden.
Die Textgrundlage dafür lieferten damals allgemein bekannte Klassiker wie Ovid und Juvenal sowie, als gemeindeutsche Quelle, das Kapitel über die Gründungder Stadt Augsburg durch die Vindeliker aus Sigismund Meisterlins 1457 verfaßter Augsburger Chronik.

Dr. Hanns Hubach, Zürich
Mittwoch, 14. Mai 2o14, 19 Uhr 30
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Ludwigshafener Antike:

Straßen(namen) im Zentrum und die Orte des Gymnasiums in der Stadt

In der Quadratestadt Ludwigshafen stand von Anbeginn eine Lateinschule auf der Tagesordnung des Stadtrates, bis München 1873 endlich sein Plazet gab. Nach dem Ausbau zum Gymnasium war Ernst Bloch unter den ersten Abiturienten.

Spaziergang durch das Zentrum mit Stadtarchivar Dr. Stefan Mörz
Treffpunkt: Rathaustreppen
am Mittwoch, 4. Juni 2o14 um 17 Uhr

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Grenzen der Menschheit:

Sophokles’ Antigone

„60 Jahre Lebendige Antike: Festabend am THG“

Der Abend wird eingeleitet
von den Leistungskursen Deutsch und Musik (11) und dem Grundkurs Griechisch (12), die in szenischen, musikalischen und Powerpoint-Präsentationen in die ANTIGONE des Sophokles und den „homo-mensura-Satz“ des Protagoras einführen.
Visualisierende Unterstützung erhalten die Präsentationen durch Zeichnungen von Schülerinnen des Leistungskurses Bildende Kunst (12).

Es folgt der Vortrag
von Prof. Riemer zum Thema „Sophokles, ANTIGONE. Grenzen der Menschheit“

In der wohl im Jahr 440 v. Chr. uraufgeführten ‚Antigone’ zeigt Sophokles neuerlich die Macht des Göttlichen und die Grenzen der Menschheit auf.

Gegen die in Athen durch die Sophisten, allen voran Protagoras, eingeläutete Reform des Götter- und Menschenbildes setzt der konservative Dichter, der sich der Gunst des stadtathenischen Publikums sicher weiß, seine Version des Antigone-Mythos ein:

Nicht der sich auf Zeus berufende Kreon noch die dem Verdikt des Herrschers Widerstand leistende, mit ältesten anonymen Satzungen auftrumpfende Antigone können in dem tragischen Stück bestehen. Mit Beiden geht Sophokles hart ins Gericht. Denn Götter sind dem Menschen nicht untertan.

Prof. Dr. Peter Riemer, Saarbrücken u.a.
Mittwoch, 24. September 2o14, 19 Uhr 3o
in der Aula des Th.-Heuss-Gymnasiums

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Kaiser Augustus

zwischen Alleinherrschaft und RES PUBLICA

Als Gaius Iulius Caesar Octavianus im Jahre 3o v.Chr. aus einem langen und äußerst blutigen Machtkampf als Alleinherrscher des Römischen Reiches hervorging, stand er vor großen Herausforderungen:
Das Chaos der Bürgerkriege mußte beseitigt und das Heer demobilisiert werden, vor allem aber war eine neue politische Ordnung zu finden: Die Kollektivherrschaft des Senats hatte sich als untauglich erwiesen, ein Weltreich zu regieren, während ein Königtum wegen der strikt antimonarchischen Tradition der Römer nicht in Frage kam.

Octavian bzw. Augustus, wie er nach dem entscheidenden Staatsakt von 27 v. Chr. genannt wurde, fand eine Lösung, Alleinherrschaft und res publica miteinander zu verbinden.
Diese Ordnung, der Prinzipat, war höchst erfolgreich und bestand trotz vieler Krisen mehrere Jahrhunderte.
Der 2ooo. Todestag des Augustus im Jahr 2o14 ist Anlaß, die Stationen seiner politischen Biographie zu beleuchten und die Frage nach seiner historischen Größe zu stellen.

Prof. Dr. Christian Mann, Mannheim
Mittwoch, 15. Oktober 2o14, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Die vergoldeten Bronzestatuen von Pergola

(in der Nähe von Ancona)

Die Gruppe von vier römischen Bronzestatuen, deren Fragmente 1946 in der Nähe von Ancona gefunden wurden, ist durch die 2oo9 gelungene Entdeckung des gleichartigen Bronzekopfes eines Pferdes in der römischen Kolonie von Lahnau-Waldgirmes (neben der Goethestadt Wetzlar) in Oberhessen wieder ins Zentrum der Diskussion gerückt.
Das lehrt auch die Ausstellung GEBROCHENER GLANZ. Römische Großbronzen UNESCO-Welterbe Limes, die am 2o. März im Landesmuseum Bonn eröffnet worden ist.

Die im Erhaltungszustand unvergleichlichen, großartigen Statuen zweier Feldherren zu Pferde und ihrer neben ihnen stehenden Ehefrauen gewinnen besonderes Interesse, weil man jetzt zeigen kann, welcher bedeutende spätrepublikanische Consul und General sie in Auftrag gegeben hat und welchen Sieg des Jahres 39 v. Chr. er damit verherrlichen will.

Prof. Dr. Bernard Andreae, Berlin
Donnerstag, 6. November 2o14, 19 Uhr
Ernst-Bloch-Zentrum
Bitte beachten: Tag, Uhrzeit und Ort weichen von den üblichen ab.

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Carl Orff:

Die Bernauerin und De temporum fine comoedia

Szenische Rezitation aus dem Bühnenwerk Orffs

Rezitator: Prof. Dr. Claus Thomas, Freiburg/Br.

Zum Jubiläumsjahr der von Werner Thomas ins Leben gerufenen Lebendigen Antike gehört auch die Rückschau auf die weithin bekanntgewordene und bis heute unvergessene Orff-Ära der Musiker und Darsteller des Theodor-Heuss-Gymnasiums unter der Leitung von Werner Thomas (Musik) und Claus Thomas (Inszenierung), die auch beim Komponisten größte Zustimmung fand und die er durch seine Anwesenheit bei den Premieren ehrte.

Jetzt kommt mit der Szenischen Rezitation des Freiburger Hochschullehrers, Regisseurs und Rezitators Orffs Werk nach Ludwigshafen zurück:
DIE BERNAUERIN – ein bairisches Stück um das tragische Schicksal der Augsburger Baderstochter, der die Verehelichung mit dem bairischen Herzogssohn zum Verhängnis wurde, und Orffs letztes Werk,
DE TEMPORUM FINE COMOEDIA, ein Mysterienspiel, eine zeitlose Prophetie um Weltende und Erlösung.

Die Szenische Rezitation, von Orff selbst kreiert und vom Rezitator in zahlreichen Darbietungen übernommen, ist ein „Einmanntheater“, eine nur von Schlagwerk unterstützte Graphik, ein Spiel der Zeichen, das dennoch das Werk als Ganzes präsentiert und erlebbar macht.

Prof. Dr. Claus Thomas, Freiburg im Br.
Mittwoch, 26. November 2o14, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Ereignisse des Jahres 2013


Weinbau in der Antike

Der für Oktober vergangenen Jahres vorgesehene Vortrag mußte damals aus technischen Gründen durch einen Vortrag über die Freilegung der Villa am Weilberg (Bad Dürkheim-Ungstein) ersetzt werden.

Sein Versprechen, den ausgefallenen Vortrag nachzuholen, löst Dr. Schumann am 29. Januar ein, und zwar in der Reihe Antikes Kulturerbe des Kurfürst-Ruprecht-Gymnasiums in Neustadt; dort ist die Lebendige Antike zu Gast (der Eintritt ist frei).

Programm:
In den letzten drei Jahrzehnten ist das Wissen um den Weinbau nördlich der Alpen in der Antike deutlich gewachsen.
Römische Weinbaubetriebe an der Mosel und in der Pfalz ermöglichen nun direkt den Nachweis römischen Weinbaus. Vorher konnte nur auf Grund von Rebmessern und Weingefäßen und wenigen literarischen Nachweisen vom früheren Weinbau ausgegangen werden.
Es lohnt sich daher zu prüfen, welche Verfahren damals im Weinberg und Keller üblich waren und welche nördlich der Alpen archäologisch nachweisbar angewendet wurden.
In der Antike konnten die Reben im Weinberg ohne Unterstützung oder auf Bäumen wachsen. Üblich waren aber auch komplizierte Unterstützungsverfahren, die bis heute nachweisbar sind.
Im Grunde trifft dies auch auf die Weinbereitung im Keller zu: Klären, Süßen, Aromatisieren, Eiswein und letztlich auch Etiketten auf den Amphoren waren üblich. Weinbau konnte auf der Basis der damaligen Technik „hochmodern“ sein.

Fritz Schumann war bis zu seiner Pensionierung Leiter des Fachbereichs Weinbau am „Dienstleistungszentrum ländlicher Raum“ in Neustadt an der Weinstraße und ist dank dem Beginn seiner Ausbildung in der Zeit der Handarbeit mit den Weinbauarbeiten der Vergangenheit gut vertraut.
Im 1981 freigelegten römischen Weingut Weilberg in Ungstein und bei Reisen rund um das Mittelmeer lernte er den antiken Weinbau kennen und kann dessen Spuren bis hin zum Weinbau der Gegenwart verfolgen und aufzeigen.

Der Weg zum Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium ist einfach:
Man steigt z.B. im S-Bahnhof Ludwigshafen-Mitte um 18 Uhr 28 (Richtung: Kaiserslautern) ein und ist 26 Minuten später in NW-Böbig (eine Station vor Neustadt); das Gymnasium liegt neben der Station (3 Minuten); man kann also zur Not auch noch die S-Bahn nehmen, die 3o Minuten später fährt.
Für Autofahrer gibt es bei der Schule genügend Parkplätze.

Dr. Fritz Schumann, Bad Dürkheim-Ungstein
Dienstag, 29. Januar 2o13, 19 Uhr 3o
Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium in Neustadt

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Wer hat Pergamon gegründet:
Pergamos oder Telephos?

Bis vor kurzem konnte man nicht erklären, wieso zwei Gründer von Pergamon überliefert sind:
Telephos, der Sohn des Herakles, und Pergamos, der Sohn des Eroberers von Troja, Neoptolemos, und der Witwe des Verteidigers von Troja, Andromache, deren Grab in Pergamon verehrt wurde.

Nachdem aber nachgewiesen ist, daß ein bekanntes, früher für pergamenisch gehaltenes Bild in Wahrheit vom berühmtesten griechischen Maler, Apelles von Kolophon, aus dem 4. Jh. v. Chr. stammt, entfällt es als Beweisstück, und es wird klar, daß Pergamos und Telephos nicht gleichzeitig und schon im 3. Jahrhundert als Gründer der Stadt ver-ehrt wurden, sondern nacheinander:
Der erste, mit Rom versippte Heros, solange Perga-mon mit den Römern befreundet war, der zweite erst nach 166 v. Chr., als die Pergamener sich von Rom verraten fühlten.

Das hat auch Konsequenzen für die Interpretation des Pergamon-Altars, des bedeutendsten antiken Denkmals in einem deutschen Museum.

Bernard Andreae ist unseren Besuchern durch viele Vorträge und Führungen, z.B. durch seine Münchener Odysseus-Ausstellung, gut bekannt, ebenso durch seine maßgebenden Veröffentlichungen, von denen hier nur genannt sei:
Skulptur des Hellenismus (München 2oo1).

Das Ernst-Bloch-Zentrum befindet sich in der Nähe des S-Bahnhofs Ludwigshafen-Mittte am Rheinufer:
Walzmühlstraße 63 (www.bloch.de)

Prof. Dr. Bernard Andreae, Berlin
Donnerstag, 14. Februar 2o13, 19 Uhr
Ernst-Bloch-Zentrum

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Mädchen der Kykladen-Inseln

Die im Kreis um Delos liegenden Inseln, also etwa Mykonos, Tenos, Syros, Amorgós, Paros und das große Naxos bezeugen mit ihren reichen Funden eine kulturelle Hochblüte der frühbronzezeitlichen Epoche (3ooo v. Chr.), Kreta und Kleinasien vergleichbar. Neben Schmuck und Keramik sind das marmorne Statuetten, die zwar sehr abstrakt wirken, aber dennoch charakteristische Züge tragen, die für eine gesamtheitliche Deutung wegweisend sind.
Thema sind heute die weiblichen Statuetten, zu deren Interpretation eine neue Deutung der muldenförmigen „Paletten“ beitragen kann. Marmor-Idole, die nicht stehen, sondern nur liegen können.

Welches geheimnisvolle weibliche Wesen verbirgt sich hinter einer solchen Figur – ein göttliches oder ein menschliches? In welcher besonderen Situation ist dieses Wesen dargestellt? Gibt es ein besonderes Ereignis, durch welches vor viereinhalbtausend Jahren die Nachbildung dieses Wesens in Stein begründet werden kann?

Gérard Seiterle ist früheren Jahrgängen des THG durch seine fachkundige Erschließung der Schätze des Baseler Antikenmuseums bekannt. Später war er Direktor des Museums zu Allerheiligen in Schaffhausen. Über „Ziegenbock, Satyr und Maske“ hat er im Jahr 1985 bei uns referiert.

Dr. Gérard Seiterle, Schaffhausen/Ermatingen
Mittwoch, 13. März 2o13, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Nofretete, ihr Bild in Berlin -
und die Gestalt dahinter

Vor etwas mehr als 1oo Jahren entdeckt, prägt die berühmte Berliner Büste bis heute unser Bild von der Amarna-Königin.

Schon ihr erstes Auftreten auf der Bühne der Weltgeschichte war spektakulär. Auf den frühen Aton-Tempeln von Theben ist sie als gottgleiche Geliebte des neuen Gottes zu bewundern.
Erst mit dem Umzug nach Amarna und der Geburt von insgesamt sechs Töchtern fügte sie sich in die Rolle der Königsgemahlin. Hier kämpfte sie mit einer Rivalin um die Gunst des Königs, erwarb die Rechte einer Mitregentin und bestieg nach dem Tod Echnatons den Thron Ägyptens: Eine beispiellose Karriere.

Doch am Vorabend der Heirat mit einem hethitischen Prinzen wird sie gestürzt. Die kühne Vision von der Gründung einer neuen Dynastie blieb unerfüllt.

Nach „Echnaton oder Die Erfindung des Monotheismus“ hat Franz Maciejewski 2o12 „Nofretete. Die historische Gestalt hinter der Büste“ veröffentlicht. Zum gleichen Thema erschien von A. Schlögl: „Nofretete: Die Wahrheit über die schöne Königin“.
Aus Anlaß der Entdeckung der Nofretete vor 1oo Jahren zeigt das Ägyptische Museum Berlin bis zum 13. April die Ausstellung „Im Licht von Amarna. 1oo Jahre Fund der Nofretete“

Dr. Franz Maciejewski, Heidelberg
Mittwoch, 17. April 2o13, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Griechisch in Europa.

Begegnungen mit dem Griechischen an der sprachlichen Basis Europas

Brauchen wirklich nur Archäologen und Theologen griechische Sprachkenntnisse? Beruhen nicht auch die Fachsprachen der Meteorologen, der Historiker und anderer Wissenschaften auf dem Griechischen? Tatsächlich nur der Wissenschaften?
Wie ist es in der „Praxis“ des Alltags, in „Schule“ und „Kirche“, im „Stadion“ und in der „Diskothek“ und bei der Namensgebung?
Hinweise und Nachfragen von den Teilnehmern werden an diesem Abend gern aufgenommen.

Zum Thema :
Jochen Althoff und Friedrich Kuntz,
Griechisch und Europa, dargestellt anhand von ausgewählten Texten aus zwei Jahrtausenden. 223 Seiten, Bad Kreuznach (Pädag. Zentrum) 2oo5

Dr. Friedrich Kuntz, Ludwigshafen
Mittwoch, 25. September 2o13, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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‚Die Gnade der späten Geburt.’

Teleologie in der antiken Geschichtsschreibung

Es ist unstrittig, daß Historiker sich mit der Vergangenheit beschäftigen. Grundlegend für ihre Werke ist aber auch die Zukunft der Vergangenheit, die sie beschreiben.

Historische Rekonstruktionen sind in hohem Maße geprägt vom Telos (Zielpunkt), von dem aus die Vergangenheit betrachtet wird.

Der Fluchtpunkt, auf den die erzählten Ereignisse zulaufen, ist für die historischen Akteure noch Zukunft, für den Historiker und seinen Leser bereits Vergangenheit – ‚vergangene Zukunft’.

Der Vortrag wird dieser zeitlichen Dynamik in der antiken Historiographie nachgehen.

Verschiedene Historiker – von Herodot bis Cassius Dio – werden zu Wort kommen, als Fallbeispiele werden die ‚Historien’ des Polybios und Sallusts ‚Bellum Catilinae’ dienen.

Polybios wird vor allem als Quelle für die hellenistische Geschichte und Sallust für seinen gedrängten Stil geschätzt, aber den Werken beider liegen auch profunde Reflexionen auf die zeitliche Dynamik historischen Erzählens zugrunde. J. G.

Jonas Grethlein ist seit 2oo8 Professor für Klassische Philologie an der Universität Heidelberg. Er hat im Jahr 2oo6 den renommierten Heinz-Maier-Leibnitz-Preis erhalten.

Prof. Dr. Jonas Grethlein, Heidelberg
Mittwoch, 23. Oktober 2o13, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Jesus der Wanderprediger – ein jüdischer Kyniker?

Bernhard Lang vertritt in seinem Buch „Jesus der Hund. Leben und Lehre eines jüdischen Kynikers“ (München 2o1o) die – in den angelsächsischen Ländern häufiger vertretene – Kynikerhypothese mit guten historischen Argumenten.

Wenn diese Hypothese Recht hätte, läge bei Jesus eine Synthese von jüdischen und griechischen Traditionen vor. Jesus setzt sich m.E. in der Tat mit kynischen Einflüssen auseinander, grenzt sich aber gegen sie ab: Seine Jünger sollen nicht wie kynische Wanderphilosophen auftreten. Das setzt voraus: Es hat in Galiläa solche Einflüsse gegeben.

Wie ist das geschichtlich vorstellbar, wenn Galiläa, wie die archäologischen Funde zeigen, jüdisch geprägt war und die Vorstellung vom „heidnischen Galiläa“ heute allgemein als falsch gilt?

Ist etwa Judas Galilaios als eine Art Kyniker aufgetreten? Die ihm von Josephus zugeschriebene “vierte Philosophie“ ist in den Augen des Josephus eine radikalere Variante der Pharisäer, die er mit den Stoikern gleichsetzt – und mit dieser radikaleren Variante könnte er eigentlich nur den Kynismus gemeint haben.

Unabhängig davon aber haben die Kyniker und der Wanderprediger Jesus einige gemeinsame Züge. Sachlich lohnt sich ein Vergleich. G. Th.

Prof. Dr. Gerd Theißen, Heidelberg
Mittwoch, 13. November 2o13, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Sankt Nikolaus – ein Bischof mit Zivilcourage

ein Vortrag von Prof. Dr. (Ni)K(o)laus Bartels, Kilchberg bei Zürich

Heute schwärmen in der Vorweihnachtszeit die Samichläuse mit roter Zipfelmütze und wallendem weißem Rauschebart stimmungs- und verkaufsfördernd in die Einkaufsmeilen aus, und manch einer klopft am Abend des 6. Dezember mit seinem Sack voller Nikolausgaben bei den erwartungsfrohen Kindern an die Tür.

Im 4. Jahrhundert ist der heilige Nikolaus – o Agioq Nikolaoq, (im Westen des Reiches Sanctus Nicolaus) – in Myra an der kleinasiatischen, heute türkischen Südküste Bischof / episkopoq gewesen, und was für einer: ein Mann mit offenen Augen für die Not seiner Nächsten, ein streitbarer Kämpfer gegen Korruption und ähnliche Machenschaften, ein fürchterlich drein-fahrender Fürsprecher der schuldlos Verfolgten, ein mit kräftiger Hand zupackender Retter aus Seesturm und Seenot.

Der Kilchberger Philologe bringt die alte Nikolauslegende für uns zum Sprechen. Er skizziert den historischen Hintergrund jener bewegten Zeit, und er zeichnet den Weg des Kultes des Nikólaos/ Nicolaus aus dem griechischen Osten in den lateinischen Westen und schließlich in den winterlich verschneiten Norden nach. K. B.

Vom Referenten erscheint in diesem August:
„Geflügelte Worte aus der Antike – woher sie kommen und was sie bedeuten“
Verlag Philipp von Zabern, Mainz

Prof. Dr. Klaus Bartels, Zürich
Mittwoch, 4. Dezember 2o13, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Ereignisse des Jahres 2012


Ein römisches Kastell kommt selten allein …

Neue Grabungen im Umfeld des römischen Auxiliarlagers in Ludwigshafen-Rheingönheim

Das letzte erhaltene linksrheinische Hilfstruppenkastell bei Rheingönheim ist altbekannt; erste kleinere Grabungsaktivitäten fanden dort bereits im frühen 20. Jahrhundert statt, als Rheingönheim noch nicht nach Ludwigshafen eingemeindet war.
Im Vorfeld der Erneuerung des Rheinhauptdeiches östlich des Kastells konnten nun völlig überraschende Entdeckungen gemacht werden.
Der Vortrag beleuchtet im Kurzüberblick die Forschungsgeschichte des Kastells, um sich dann ausführlicher den aufsehenerregenden Ausgrabungsergebnissen der Jahre 2oo8 und 2oo9 zu widmen. Reichhaltiges Bildmaterial soll einen umfänglichen Eindruck der bislang unbekannten Spuren eines weiteren Lagers vermitteln und beleuchtet schlaglichtartig die dramatischen Ereignisse bei der Zerstörung des bereits länger bekannten Kastells.

Andrea Zeeb-Lanz ist als Konservatorin bei der Direktion Speyer (Landesdirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz) Referatsleiterin und damit zuständig für die Stadt Ludwigshafen.

Andrea Zeeb-Lanz, Speyer
Mittwoch, 1. Februar 2o12, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Vergil und Augustus.

Ein Dichter in den Fängen der Macht?

Umrahmt wird der Abend durch ein kleines musikalisches Programm, bei dem u.a. eine Eigenvertonung eines Schülers zu einem Horaz-Gedicht zu hören sein wird.
Zu seinem Vortrag schreibt der Referent:
Vergil (7o-19 v.Chr.) gilt als der bedeutendste Dichter Roms. Aus kleinen ländlichen Verhältnissen stammend ist er dank seiner dichterischen Begabung in die höchsten Kreise des römischen Imperiums aufgestiegen. Sein Werk zeugt von den Berührungen mit der Allmacht Octavians, des von ihm sogar als Gott titulierten Herrschers. Sein offenkundiges Versprechen (Georgica III 1-48), den angehenden Augustus in einem Heldengedicht zu verherrlichen, löst Vergil jedoch nicht ein.
Im vergilischen Epos tritt Aeneas an die zentrale Stelle. Hat der Dichter sich von dem Machthaber distanziert? Wurde der Gott der frühen Werke, vor allem der Hirtendichtung, in der Aeneis nur mit einer Nebenrolle bedacht oder ist Aeneas ein Sinnbild des Augustus? Und wenn Letzteres zutrifft: Wie hat man dann die Schlußszene des Epos zu verstehen, wo Aeneas einen bereits wehrlosen und um Gnade bittenden Gegner tötet?

Im Rahmen der Lebendigen Antike findet am Dienstag, 7. Februar, um 19 Uhr 3o in der Aula des Theodor-Heuss-Gymnasiums (Eintritt frei) ein Vergil-Vortrag statt. Eingeleitet wird er durch eine Powerpräsentation von Schülerinnen und Schülern, die einen Überblick über die Ergebnisse ihrer Vergilreihe geben. Anschließend spricht

Prof. Dr. Peter Riemer, Saarbrücken
Dienstag, 7. Februar 2012, um 19 Uhr 3o in der
Aula des Theodor-Heuss-Gymnasiums (Eintritt frei)

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Archaische Koren:

Ein Vorschlag zu ihrer Deutung

In diesem Vortrag wird das neue Akropolis-Museum von Athen, das im Jahre 2oo9 feierlich eröffnet worden ist, vorgestellt. Von großem Interesse sind dabei die überaus qualitätvoll gearbeiteten Koren, die in der griechischen Welt in der Zeit vom 7. bis zum 5. Jahrhundert weit verbreitet waren. Die überwiegende Mehrzahl dieser Mädchenstatuen wurden als Weihgeschenke in den Heiligtümern aufgestellt, doch kamen einige von ihnen auch im Grabbereich zutage.
Im Mittelpunkt unseres Vortrages werden wir uns mit den Fragen befassen, die bislang noch nicht zufriedenstellend geklärt werden konnten: Welche Funktionen erfüllten diese Korenstatuen und wen stellten sie dar? Waren mit ihnen Göttinnen, Priesterinnen oder historische Personen gemeint? Es wird also im wesentlichen um den Versuch gehen, die Identität und die Bedeutung der Koren zu klären.

Katerina Karakasi hat in Frankfurt Klassische Archäologie, Griechische Philologie und Historische Ethnologie studiert und ist mit einer Arbeit zum Thema „Archaische Koren“ promoviert worden. Sie wirkte an mehreren Forschungsprojekten mit , z.B. „Römische Bildnisse aus Bronze“, und war in diesem Rahmen an den Museen von Paris, London, Kopenhagen, Konstantinopel und Athen tätig. Sie beschäftigt sich mit Problemen der griechischen Plastik, insbesondere der archaischen Epoche und mit Fragen der Polychromie; überdies erforscht sie die Kleidermode der griechischen Frauen in der Antike und nimmt seit 1999 an den jährlichen Ausgrabungen auf Antiparos (Kykladen) teil.

Dr. Katerina Karakasi, Frankfurt am Main
Mittwoch, 29. Februar 2o12, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Augustinus und die antike Kultur

In dem Vortrag wird zunächst Augustins Werdegang anhand seiner Selbstdarstellung in den Confessiones nachgezeichnet. Besonderes Augenmerk soll dabei auf die Besonderheiten der schulischen Ausbildung in der Spätantike gelegt werden.
Hierbei sind die Erfahrungen des jungen Augustin mit der antiken Poesie von besonderer Bedeutung. Weiter ist das Spannungsfeld von antiker Philosophie, Christentum und Manichaeismus zu analysieren und die Frage zu erörtern, welche Umstände letztlich den Ausschlag für Augustins Hinwendung zur christlichen Lehre gaben.
Schließlich wird es darum gehen, Augustins Verhältnis zur antiken (paganen) Kultur und Literatur anhand ausgewählter Textstellen zu illustrieren, vor allem aus seinem bahnbrechenden Werk „De doctrina Christiana“. Dabei werden die Bereiche Philosophie und Rhetorik im Vordergrund stehen. Hier wird sich zeigen lassen, dass Augustin sowohl in der Theorie feste Vorstellungen über den rechten Gebrauch der antiken Kulturgüter besaß als auch diese in der Praxis konsequent umzusetzen vermochte.

Prof. Dr. Wilhelm Blümer, Universität Mainz
Mittwoch, 28. März 2o12, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Lebendige Antike heute und morgen

Überlegungen zu ihrer Weiterführung

Ausnahmsweise und aus aktuellem Anlaß sollen an diesem Abend gemeinsame Überlegungen zum Fortbestand der Lebendigen Antike Ludwigshafen angestellt werden. Die Mitglieder ihres Förderkreises treffen sich anschließend zur jährlichen Mitgliederversammlung. Gäste sind willkommen.

Mittwoch, 25. April 2o12, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Politische Antike: Carl Schmitt

Carl Schmitt war wohl der einflußreichste Staatsdenker in Deutschland in der ersten Hälfte des 2o. Jahrhunderts. Der am meisten umstrittene ist er geblieben. Seine Schriften wie „Politische Theologie“ , „Der Begriff des Politischen“ oder „Legalität und Legitimität“ haben mit ihrer schonungslosen Analyse von Macht und Politik Epoche gemacht, stehen aber unverändert und nach Meinung seiner Kritiker vielleicht heute stärker denn je im Schatten des Nationalsozialismus. In diese Epoche war er als der „furchtbare Jurist“ tief verstrickt. Die Abgründe der politischen Auseinandersetzungen und Katastrophen seiner Zeit haben sein Denken geprägt; von dort her hat er das „Politische“ auf den Begriff zu bringen versucht. Sein Werk greift weit in die europäische Geistesgeschichte aus. Die Antike ist selbstverständlich in seinem Blickfeld.
Der Vortrag will der Frage nachgehen, inwieweit Schmitts „Positionen und Begriffe“ neue historische Erfahrungen originär reflektieren, oder ob sich hierin die Wiederkehr alter historischer Erfahrungen zeigt, über die bereits die Staatsdenker und Geschichtsschreiber der Klassischen Antike nachgedacht haben.

Dr. Frank Hennecke, Ludwigshafen
Mittwoch, 13. Juni 2o12, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Die Ärztin – ein Frauenberuf im Altertum

Ärztinnen sind im 2o. Jahrhundert zu einer vertrauten Erscheinung in der Medizin Europas geworden. In Deutschland liegt im Moment (2o12) der Frauenanteil bei medizinischen Berufsanfängern sogar schon bei rund 6o Prozent. Wenn man bedenkt, daß Frauen im Wilhelminischen Deutschland erst im Jahre 1899 zum Medizinstudium zugelassen wurden, ist diese Entwicklung über nur etwas mehr als hundert Jahre durchaus bemerkenswert.
Die Karriere einer Ärztin inmitten einer Männerwelt begann freilich schon im Altertum vor über 2ooo Jahren. In der Ärzteschaft des Römerreiches ist ein Frauenanteil von etwa 5 % zu finden. Frauen konnten nicht nur Ammen und Hebammen werden; ihr Berufsbild umfaßte auch die Berufe des Allgemeinarztes und der Chirurgie wie auch die Spezialdisziplinen der Gynäkologie und der Zahnheilkunde. Es scheint keine Beschränkungen nur aufgrund des Geschlechtes gegeben zuhaben.
Die Stellung der Frauen im Rahmen der ärztlichen Tätigkeit im römischen Reich war also nicht auf die Hebamme oder die Kräuterfrau beschränkt. Frauen konnten bereits in den Jahren zwischen Christi Geburt und dem 3. Jahrhundert nach Christus Berufen nachgehen, die sie sich im 19. und 2o. Jahrhundert erst wieder zurückerobern mußten.

Ernst Künzl wurde geboren in Karlsbad (Böhmen), besuchte das Humanistische Gymnasium in Aschaffenburg und studierte in München, Frankfurt am Main und Köln. Mit einer Arbeit über „Frühhellenistische Gruppen“ bei Heinz Kähler promoviert, war er 1971 bis 2oo4 Leitender Museumsdirektor am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz.
Mehr unter www.archaeologie-sachbuch.de

Dr. Ernst Künzl, Eckental
(früher: Mainz, RGZM)
Mittwoch, 26. September 2o12, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Das frühe Erscheinen der Griechen

Die ältesten schriftlichen Zeugnisse der griechischen Sprache sind in Linearschrift B geschrieben. Sie erscheinen ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. in mykenischer Zeit als sehr kurze Texte.

Katerina Karakasi hat in Frankfurt Klassische Archäologie, Griechische Philologie und Historische Ethnologie studiert und ist mit einer Arbeit zum Thema „Archaische Koren“ promoviert worden. Sie wirkte an mehreren Forschungsprojekten mit , z.B. „Römische Bildnisse aus Bronze“, und war in diesem Rahmen an den Museen von Paris, London, Kopenhagen, Konstantinopel und Athen tätig. Sie beschäftigt sich mit Problemen der griechischen Plastik, insbesondere der archaischen Epoche und mit Fragen der Polychromie; überdies erforscht sie die Kleidermode der griechischen Frauen in der Antike und nimmt seit 1999 an den jährlichen Ausgrabungen auf Antiparos (Kykladen) teil.
Für den davor liegenden Zeitabschnitt ohne schriftliche Überlieferung sind wir auf die Untersuchung nur archäologisch überlieferter Kulturgüter angewiesen. Dabei zeigt sich, daß die mykenische Kultur der Spätbronzezeit Kontinuitäten zur vorausgehenden Mittelbronzezeit aufweist und diese wiederum zur späten Frühbronzezeit im ausgehenden dritten Jahrtausend v. Chr.
So sind in der Entwicklung der Keramik Brüche zu beobachten, auch in der Architektur, neue Handelskontakte spielen eine Rolle. Die vorausgehende blühende FH II-Kultur wird abrupt abgelöst.
In dem Beitrag wird beleuchtet, inwieweit hinter diesem Wechsel Einwanderungen von Trägern der griechischen Sprache stehen, was mit ihrem Erscheinen zu Ende geht und was sie an Innovativem mitbringen.

Elmar Christmann, Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Heidelberg, hat in Thessalien gegraben (Die deutschen Ausgrabungen auf der Pevkakia – Magula in Thessalien II, 1996).
Zur Zeit arbeitet er in Mecklenburg-Vorpommern an der Trasse der künftigen Erdgasleitung von Lubmin nach Westen.

Dr. Elmar Christmann, Heidelberg
Mittwoch, 28. November 2o12, 19 Uhr 3o
VHS-Vortragssaal im Bürgerhof

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Ereignisse des Jahres 2011


2500 Jahre Marathon

„Künden könnte der Marathonische Hain …“

Im September des Jahres 490 v. Chr. besiegten die Athener in der Ebene von Marathon ein übermächtiges Invasionsheer der Perser. Dieses Ereignis, das zum Symbol für die Bewahrung von Freiheit und Unabhängigkeit wurde, hat sich 2o1o zum zweitausendfünfhundertsten Mal gejährt.
Die Entwicklung Griechenlands und damit die Europas hat es wesentlich beeinflußt.
Der Vortrag beschreibt den Schauplatz und schildert, wie die Schlacht wahrscheinlich verlaufen ist.

Hinweis:
Im Juni 2oo7 hat Christian Meier bei uns über „Wie es zu den Griechen kam. Die Wurzeln Europas“ gesprochen. 2oo9 ist sein Buch Kultur, um der Freiheit willen. Griechische Anfänge – Anfang Europas? erschienen. (ISBN 3-8868-923-3) „Ein einziges Mal in der Weltgeschichte wurde eine Kultur nicht um der Herrschaft willen gebildet, sondern von breiteren Kreisen her, die sich herausgefordert sahen, ihre Freiheit gegen alle davon ausgehenden Zumutungen zu balancieren, zu befestigen und zu entfalten.“

Prof. Dr. Dietram Müller, Mainz
Mittwoch, 11. Mai 2o11, 19 Uhr 3o
VHS im Bürgerhof Ludwigshafen

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„Inseln der Winde“

Die maritime Kultur der bronzezeitlichen Ägäis

Eine Führung durch die Sonderausstellung (bis 24.7.) im Archäologischen Institut der Universität Heidelberg (im Marstallhof): Sie schildert das maritime Leben der ägäischen Inseln in der Bronzezeit. Es ist der Lebensraum verschiedener Kulturen des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr., der Kyklader und der Minoer, benannt nach dem mythischen Herrscher Minos auf der Insel Kreta.

Wegen der Beschränkung auf 25 Personen ist eine Anmeldung (Telefon o6324 – 3179) und Überweisung von 9 € (Schüler 4 €) auf das Konto der Lebendigen Antike (315 308 938 bei BLZ 545 201 94) erforderlich.
Treffpunkt am 4. Mai, kurz vor 18 Uhr, im Erdgeschoß des gläsernen Gebäudes im Marstallhof.

Dr. Hermann Pflug, Heidelberg
Mittwoch, 4. Mai 2o11, 18 Uhr
Führung durch die Ausstellung im Antikenmuseum des Archäologischen Instituts, Heidelberg

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Das ‚Urteil des Paris’

von Troja bis ins Berlin Ernst Ludwig Kirchners

Das Urteil des Paris war nicht nur Auslöser des trojanischen Krieges, sondern eines der beliebtesten Themen der Kunst seit der Renaissance. Die Frage nach der Schönheit steht exemplarisch für die Frage nach der Kunst. Der Vortrag unternimmt eine kleine Reise durch die Motivgeschichte des Paris-Urteils (das Bild Kirchners ist im Wilhelm-Hack-Museum zu sehen).

Dr. Reinhard Spieler, Ludwigshafen
Mittwoch, 23. März 2o11, 19 Uhr 3o
Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen

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Zugvögel aus der Antike:

Nistplätze, Flugrouten, Rastplätze, Federwechsel

Geflügelte Worte aus der Antike: Da denken wir an ein panta rei oder ein eýýyrhka! , ein alea iacta est oder ein carpe diem. Derlei Worte sind heute das meistzitierte Griechisch und Latein. Doch sie sind meist zugleich entflogene Worte, und sie tragen kein Ringlein am Fuß, auf dem Autor und Werk, Buch und Kapitel säuberlich verzeichnet wären.

Klaus Bartels, Autor des Standardwerks „Veni vidi vici“ lädt uns zu einer ornithophilologischen Exkursion ein: Er stellt eine Reihe speziell interessanter Exemplare dieser buntgefiederten Gattung vor, führt uns zu ihren verborgenen Nistplätzen, verfolgt ihre Flugrouten von klassischen Biotopen bis in moderne Werbeslogans, beschreibt ihre verwirrlichen Federwechsel und einen merkwürdigen Fall von Mimikry.

Der Vortragende studierte Klassische Philologie und Philosophie in Tübingen, München und London; seit 1963 lebt er in Kilchberg bei Zürich. Er ist Autor jahrzehntelang laufender Rubriken in der „Neuen Züricher Zeitung“, auch einer Rubrik „Geflügelte Worte“ in der Zeitschrift „Antike Welt“.

Für eine runde Tausendschaft seiner „Streiflichter aus der Antike“ und „Wortgeschichten“ wurde er 2oo4 mit dem Preis der „Stiftung für Abendländi-sche Ethik und Kultur“ ausgezeichnet.

Jüngste Buchpublikationen:
Veni vidi vici. Geflügelte Worte aus dem Griechischen und Lateinischen, durchgehend erneuerte und erweiterte Neuausgabe,
Verlag Philipp von Zabern, 13.A., Mainz 2o1o
Die Sau im Porzellanladen.
77 neue Wortgeschichten Mainz 2oo8

Prof. Dr. Klaus Bartels, Zürich
Mittwoch, 16. Februar 2o11, 19 Uhr 3o
VHS im Bürgerhof Ludwigshafen

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„Nach Boghazköi!“

Die Entdeckung und Erforschung des altorientalischen Reiches der Hethiter

1828, in der Pionierzeit der Ägyptologie, kopierte Champollion, der Entzifferer der Hieroglyphen, den Text einer Stele in Karnak. Nur sechs Jahre danach, 1834, besuchte der Forschungsreisende Texier die Ruinen einer Stadt im nördlichen Anatolien. Sie lag bei dem Dorf Boghazköi, gut 200 km östlich von Ankara, und schien nach den dort erhaltenen fremdartigen Reliefs einer unbekannten Kultur anzugehören.
Fast ein halbes Jahrhundert dauerte es noch, bis der Zusammenhang zwischen dem Text aus Karnak und den nordanatolischen Ruinen erkannt wurde.

Die Reste, die Texier gesehen hatte, waren die der Hauptstadt des Hethiterreiches, das im frühen 13.Jh. mit dem Pharaonenreich Krieg geführt und später einen Vertrag geschlossen hatte.

„Nach Boghazköi!“ hieß daraufhin die Devise europäischer Ausgräber, von denen der deutsche Assyriologe Winckler 19o5 den „Zuschlag“ erhielt. Mit seinen sensationellen Funden von Keilschrifttexten war eine neue Philologie geboren: Die Hethitologie, die Wissenschaft von der Sprache, Geschichte und Kultur der Hethiter. Gleichzeitig wurde damit ein Langfristprojekt deutscher Archäologen in Gang gesetzt, das bis heute andauert.

Der Vortrag stellt die Anfänge dieser Forschung dar und verfolgt ihre wesentlichen Fragestellungen und Entdeckungen bis in die Gegenwart.

Der Vortragende ist als Grabungsphilologe für die Bearbeitung der Texte zuständig, die Jahr für Jahr bei den Grabungen des Deutschen Archäologischen Instituts in der Hethiterhauptstadt Hattuscha entdeckt werden. In der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz leitet er das Langfristprojekt „Hethitische Forschungen“.

Prof. Dr. Dr. h.c. Gernot Wilhelm, Würzburg
Mittwoch, 26. Januar 2o11, 19 Uhr 3o
VHS im Bürgerhof Ludwigshafen

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Ereignisse des Jahres 2010


Weltvertrauen und Lebensfreude im Naturgedicht des Lukrez

Lukrezens De rerum natura ist Naturphilosophie als Poesie.
Diese erste lateinische Dichtung leistet dreierlei:

  1. Sie macht die epikureische Naturlehre in Rom heimisch.
  2. Sie ist, ohne zu simplifizieren, um Kürze, Klarheit, Anschaulichkeit, Zusammenhang und Struktur bemüht.
  3. Sie verleiht dem schwierigen Gegenstand gewinnenden Zauber.
Der Vortrag führt in die grundlegenden Lehren des lukrezischen Gedichts ein, indem er die atomistische Seins- und Bewegungslehre (unendlich viele ewige unveränderliche Atome, das unendliche Leere, die Bewegungsursachen Gewicht und Abweichung) darstellt und erläutert. Einerseits wird dabei der besondere Charakter des Materialismus der antiken Atomisten Demokrit, Epikur, Lukrez herausgearbeitet, nach dem das einzige seiende, die atomare Materie, sowohl von Anfang an formbestimmt ist und nicht ohne die Bewegungsursachen gedacht werden kann. Andererseits wird ein Aspekt der lukrezischen Lehre besonders betont, ohne ihn damit absolut setzen zu wollen: das Vertrauen in eine Welt fester Gesetzlichkeit und die Darstellung von Lebenslust im Horizont der eigenen Sterblichkeit der Lebewesen und der Unsterblichkeit der Atome.

Prof. Dr. Ernst A. Schmidt, Tübingen
Mittwoch, 24. November 2o1o, 19 Uhr 3o
VHS im Bürgerhof Ludwigshafen

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Führung durch die Antikensaal-Galerie

im Mannheimer Schloß

Der Mannheimer Antikensaal war einer der vielen Anziehungspunkte der Stadt in ihrer Blütezeit neben der Gemäldegalerie, der Hofoper und dem Hoforchester, nicht nur für Schiller, Goethe und Herder; wie vieles andere waren auch seine Reichtümer nach dem Weggang Carl Theodors aufgelöst worden und in Vergessenheit geraten.
Erst Wolfgang Schiering, dem 2oo5 verstorbenen Mannheimer Archäologen, ist es gelungen, in der "Antikensaal-Galerie" wieder eine größere Zahl der ursprünglichen Skulpturen zu vereinen.
Bei dieser Führung wird es freilich nicht nur um die Geschichte des Antikensaales und die der Neueinrichtung im Schloß gehen, sondern vor allem um einzelne Stücke als Beispiele für die griechische Plastik.

Führung in der Antikensaal-Galerie durch
Prof. Dr. Reinhard Stupperich, Heidelberg
Mittwoch, 1o. November 2o1o, 17 Uhr 45
Mannheimer Schloß

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Richard Wagner: Oper und Drama

Der Ring des Nibelungen und die Antigone des Sophokles

Hansgünther Heyme wird über seine Arbeit am Ring des Nibelungen und der sophokleischen Antigone anhand von Wagners Interpretation des Ödipus-Mythos mit der Nachgeschichte der Antigone berichten, - am Vorabend der Premiere des "Rheingold".
Am 1o. November beginnen dann die Antigone- Aufführungen, ebenfalls in der Inszenierung von Hansgünther Heyme.

Prof. Hansgünther Heyme, Ludwigshafen
Donnerstag, 4. November 2o1o, 19 Uhr 3o
Theater im Pfalzbau, Gläserner Saal

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Die Rückkehr der Götter.

Berlins verborgener Olymp in Mannheim

Aus "der riesigen Schatzkammer antiker Kunst" der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin holt die Ausstellung Kostbarkeiten ans Licht, die als "kriegsbedingt verlagerte Kulturgüter" lange Zeit im Dunkel der Depots verbrachten, manche von ihnen sogar, als "Beutekunst" in die Sowjetunion entführt, schon 1958 zurückgegeben worden sind.
Führung in der Ausstellung durch Frau Dr. Braun. Die Kosten werden etwa 10 € betragen.

Wegen der Beschränkung auf 25 Personen ist eine Anmeldung ( Telefon 06324- 3179 ) und Überweisung von 10 € auf das Konto der Lebendigen Antike (315 304 938 bei BLZ 545 201 94) erforderlich.

Dr. Claudia Braun
Donnerstag, 7. Oktober 2o1o, 18 Uhr 3o
Reiß-Engelhorn-Museen (Neubau) in D 5

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Penelope in Persepolis.

Oder: Wie man einen Krieg gegen den Erzfeind beendet.

Die Kriege zwischen Griechen und Persern im frühen 5. Jahrhundert haben eine so grundsätzliche Feindschaft erzeugt, daß es schwer wurde, sie zu beenden.
In diesem Zusammenhang wird ein griechischer Marmortorso der trauernden Penelope von Bedeutung, der in Persepolis gefunden wurde.
Das Werk wird in dem Vortrag als Geschenk der Athener an den Perserkönig zum Friedensschluß gedeutet.

Prof. Dr. Tonio Hölscher, Heidelberg
Mittwoch, 15. September 2o1o, 19 Uhr 3o
VHS im Bürgerhof Ludwigshafen

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Das Hohe Lied der Liebe.

Chormusik und Performance
unter Mitwirkung des Performance-Teams COCOON (Leitung: Tine Duffing)

Melchior Frank (1553-1639) :
5 Hoheliedmotetten zu 5-6 Stimmen
Nico Wyrwich (geb. 1980) :
„Sehnsucht“ – nach einem Text von Georg Theiß
für einen achtstimmigen Chor a cappella

Zu dem Konzert mit Kompositionen aus dem 16. und 21. Jahrhundert, das im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz stattfinden wird, erscheint rechtzeitig ein ausführliches Programm

Chorkonzert des Neustadter Vokalensembles
mit Ulrich Loschky
Mittwoch, 3o. Juni 2o10, 19 Uhr 3o
VHS im Bürgerhof Ludwigshafen

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Aus der Freude leben.

Eine kleine Einführung in das Glaubensleben der Orthodoxen Kirche durch die Liturgie; denn dort, im Gottesdienst, findet man die vornehmste Ausprägung von orthodoxer Theologie und Tradition.

Den Gottesdienst einer Osternacht in einer Orthodoxen Kirche zu erleben, ist ein besonderer Segen. Man spürt eine einzigartige Freude, denn „alles ist mit Licht erfüllt, Himmel und Erde und Totenwelt“ (Osterhymnus der Orthodoxen Kirche). Aus dieser Freude leben die Orthodoxen. Obwohl gerade die Orthodoxe Kirche im Laufe ihrer Geschichte Zeiten größter Not, Verfolgung und Bedrängnis durchlitt, gelang es ihr jedoch stets, dieser Anfechtungen Herr zu werden und in der sicheren Gewissheit des strahlenden Triumphes durch den Sieg Christi über Tod und Unterwelt ihre Existenz zu verankern.
Die Liturgie hat in der Ostkirche eine ganz zentrale Stelle im Leben der Kirche, sie bietet einen existentiellen Raum für die Begegnung mit Christus, sie ist der Ort der Confessio schlechthin, sie stellt die besondere Identität der Orthodoxen Kirche dar. Im liturgischen Denken der Orthodoxen Kirche versteht man die Gottesdienste der Gemeinde als eine Ikone, als ein Bild des Gottesdienstes, der im Himmel ständig gefeiert wird

„Der orthodoxe Gottesdienst“, schreibt der römisch-katholische Professor Dr. Kunzler, „will nicht in erster Linie verkünden oder belehren; deshalb spielt die Predigt in ihm eine viel geringere Rolle als im abendländischen Gottesdienst. Der orthodoxe Christ versteht seinen Gottesdienst als ein heiliges Schauspiel mit allen Mitteln, welche die Kulturgeschichte den Menschen zur Verfügung stellt. Formen und Farben, Gesänge und Gerüche des Weihrauchs, der Glanz der vielen Kerzen, die prächtigen Gewänder der Liturgen und der Goldglanz der Ikonen sind Elemente dieses heiligen Schauspiels, von dem der orthodoxe Christ glaubt, dass sich die Herrlichkeit des Himmels selbst in das Tun der Menschen herabsenkt“.
(M. Kunzler, Die byzantinische Liturgie, in: Byzanz – Das Licht aus dem Osten, Katalog der Ausstellung in Paderborn 2001, Seite 39)
Den Text der Liturgie findet man, im griechischen Original und in deutscher Übersetzung nebeneinander, ergänzt um „szenische“ Bemerkungen zu den begleitenden Vorgängen, in der Ausgabe von Anastasios Kallis, erschienen im Verlag Theophano (ISBN 978-3-9808184-6-9), 13.3o €

Dr. Georgios Basioudis, Mannheim
Mittwoch, 21. April 2o10, 19 Uhr 3o
Aula des Th.-Heuss-Gymnasiums Ludwigshafen

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Licht, Schatten, Glanzlicht

Die griechische Malerei war in der Antike noch beliebter als die Plastik, die heute am höchsten gilt.
Das liegt auch daran, dass die große Malerei fast restlos zerstört ist. In Pompeji sind aber einige Bilder einzigartigen Ranges wenigstens in guten Kopien erhalten, so dass man eine Vorstellung von der unvergleichlichen Vollendung dieser Werke gewinnen kann.
Eines der schönsten stellt Herakles dar, der beim Streifzug durch Arkadien seinen in der Wildnis ausgesetzten Sohn Telephos findet, dem eine Hündin auf wunderbare Weise Milch gibt und ihn erhält, bis sein Vater ihn retten kann. Das Bild geht unmittelbar zu Herzen.

Auf geradezu kriminalistischem Wege konnte der Vortragende nun durch die Kombination historischer, archäologischer und literarischer Quellen beweisen, dass dieses Bild die Kopie eines im Altertum hochberühmten Meisterwerkes des bekanntesten griechischen Malers war: Apelles von Kolophon.
Er wirkte in der zweiten Hälfte des 4. Jhs. v.Chr. in Kleinasien, auf den griechischen Inseln und im Mutterland. Man sagte, er habe für die Malerei mehr getan als alle übrigen Maler zusammen.

Bisher hatte man aber keine Vorstellung, wie das gemeint war. Tatsächlich konnte er als erster der Darstellung von Licht und Schatten in der Malerei etwas Entscheidendes hinzufügen, den allmählichen Übergang der Helligkeit zum Dunkel und die Glanzlichter, die von einer glänzenden Oberfläche reflektiert werden

Doch das kann man besser mit Bildern im Vortrag als mit Worten im geschriebenen Text veranschaulichen.

Prof. Dr. Bernard Andreae, Rom
Mittwoch, 17. Februar 2o10, 19 Uhr 3o
VHS im Bürgerhof Ludwigshafen

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Alexander der Große . . .

und die Öffnung der Welt
Führung durch die Ausstellung

Das Alexander-Thema haben bei uns zuletzt 2oo6 Tonio Hölscher (2oo9 erschienen: „Herrschaft und Lebensalter“ ISBN 3-7965-2576-6) und 2oo4 Alexander Demandt („A. d. Gr. in der Kunst“) behandelt.

Dr. Claudia Braun, Mannheim
Mittwoch, 2o. Januar 2o10, 18 Uhr
Museum Weltkulturen (gegenüber Zeughaus)

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Ereignisse des Jahres 2009


Das minoische Stierspringen.

Zur Performanz und Darstellung eines altägäischen Rituals

Seit der Entdeckung der minoischen Kultur vor etwa 100 Jahren hat das Bild des waghalsigen Sprungs junger Akrobaten über einen heranlaufenden Stier Archäologen und Laien gleichermaßen fasziniert. Dieses Leitmotiv der kretischen Sportkultur, ja der kretischen Kultur überhaupt, das jedem Besucher des Palastes von Knossós „auf Schritt und Tritt“ vor Augen trat, wurde in der Zeit der höchsten Entfaltung der minoischen Kultur auf verschiedenen Bildträgern verewigt. Und obwohl diese Szenen seit der Geburtsstunde der Minoischen Archäologie im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit stehen, bleiben viele Fragen zur eigentlichen Bedeutung des kühnen Sprungs über das riesige und gefährliche Tier noch offen.
Warum war die Durchführung und Darstellung dieses Ritualspiels für die minoische Gesellschaft so wichtig?
In welchem sozialen Kontext und zu welchem Anlaß hat das Stierspringen stattgefunden?
Wer hat daran teilgenommen und dabei sein Leben riskiert?
Jeder, der diesen schwierigen Fragen nachgehen will, ist nur auf ‚stumme‘ Bilder angewiesen, da es keine gleichzeitigen schriftlichen Quellen gibt, die uns Charakter und Bedeutung dieser Handlung hätten erläutern können.
Ziel des Vortrags ist es, die aktuellen Erkenntnisse zum minoischen Stierspringen zusammenzufassen und eine Vermutung über seine Hintergründe und soziale Signifikanz zu wagen.

Der Vortragende hat in Athen, Heidelberg, London und Salzburg studiert und ist seit 2oo3 Professor am Archäologischen Institut, Nachfolger von W.-D. Niemeier, der 1993 über „Minoer in Kanaan“ referiert hat.

Mittwoch, 25. November 2oo9 Vortragssaal der VHS im Bürgerhof, 19 Uhr 3o Prof. Dr. Diamantis Panagiotopoulos

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Paulus zwischen Judentum und Hellenismus

Paulus hat vielfältige Reaktionen ausgelöst.
Nach Albert Schweitzer ist der Apostel „bald ... radikal, bald konservativ, bald tapfer, bald verzagt; in kleinen Dingen fest, in großen schwächlich nachgebend, einmal heftig, dann wieder mild; in allem voller Unklarheit und Widerspruch.“
In seinen Briefen finden sich halbfertig-impulsive Sätze, Polemik und dunkle Andeutungen neben glanzvollen Beispielen ausgesprochener Redekunst. Und schon im zweiten Petrusbrief kann man lesen, daß manches bei „unserem lieben Bruder Paulus“ schwer zu verstehen sei (2.Petr. 3,15f.).

Derselbe Paulus hat mit seinen Briefen außer-ordentlich stark gewirkt. Er hat der christlichen Botschaft eine unverwechselbare Kontur gegeben und sie für einen neuen Kulturraum erschlossen. Aufbrüche in der Geschichte der Kirche waren wiederholt mit seinem Namen verbunden. Er ist ein „Glücksfall des Christentums“ (Eugen Biser).
Der Satz „Hier ist nicht Jude noch Grieche, nicht Sklave noch Freier, nicht Mann noch Frau; ihr seid allesamt einer in Christus Jesus“ ist ein Spitzensatz des Paulus. Von ihm aus kann man die Botschaft des Paulus zwischen Judentum und Hellenismus, aber auch zwischen ökonomischen und gesellschaftlichen Begrenzungen seiner Zeit (und darüber hinaus) aufschlüsseln.

Der Neutestamentler Peter Müller ist Schüler des Münchener Neutestamentlers Prof. Dr. Ferdinand Hahn (aus Kaiserslautern), der im „Jahr mit der Bibel“ (1992) in der Lebendigen Antike über die Anfänge der christlichen Kirche gesprochen hat.

Mittwoch, 4. November 2oo9
Vortragssaal der VHS im Bürgerhof, 19 Uhr 3o
Prof. Dr. Peter Müller, Karlsruhe

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Homerische Pflanzen – Nutz-, Heil- und Zauberpflanzen in Ilias und Odyssee

Homer (8. Jh. v. Chr..) beschreibt in der Ilias und in der Odyssee die mykenische Zeit etwa 5oo Jahre zuvor. Die geographische Kenntnis dieser Zeit umfaßt im wesentlichen den ostmediterranen Raum, ging nach Osten aber bis Kolchis (am Ostrand des Schwarzen Meeres), nach Westen bis Sizilien.

Mehr als 5o Pflanzen finden sich in den beiden Werken. Nutzpflanzen wie der Weinstock, Getreidearten (Weizen, Hafer, Gerste) und Bäume wie Eichen, Platanen, Tannen und Kiefern, teilweise als Bauholz und zur Waffenherstellung benutzt, finden Erwähnung.
In den Gärten wuchsen Feigen, Birnen, Äpfel, Granatäpfel und Ölbäume. Auch auf wildwachsende Pflanzen, wie etwa die Affodilwiesen in der Unterwelt oder das Veilchen, das das Auge des Hermes erfreut, wird eingegangen. Einige Pflanzen sind nicht ganz eindeutig zu bestimmen, und es bleibt auch heute noch Raum für Spekulationen.
Was ist ‚nepenthes‘, welches Helena in den Wein mischt, um den Kummer zu vertreiben? Was ist die bittere Wurzel, mit der die Griechen die Pfeilwunden behandelten? Welche Frucht aßen die Lotophagen, die auch die Begleiter des Odysseus ihre Heimat vergessen läßt? Mit welcher Pflanze trübte Kirke das Bewußtsein der Gefährten des Odysseus, so daß sie meinten, Schweine zu sein?

Und was verbirgt sich hinter dem geheimnisvollen Kraut Moly, das Hermes Odysseus gibt als Mittel gegen die Zauberkräfte der Kirke?
Im Vortrag wird versucht werden, einige der Geheimnisse zu lüften!
Die Vortragende ist am Heidelberger Institut für Pflanzenwissenschaften – Biodiversität und Pflanzensystematik – der Universität tätig.

Mittwoch, 16. September 2oo9
Vortragssaal der VHS im Bürgerhof, 19 Uhr 3o
Nutz-, Heil- und Zauberpflanzen in ILIAS und ODYSSEE
Prof. Dr. Claudia Erbar, Heidelberger Institut für Pflanzenwissenschaften (HIP)

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Der Lykische Grabkult

(Vortrag mit Lichtbildern)

Aus dem alten Lykien sind uns zahlreiche Gräber verschiedener Art überliefert: Felsgräber, Hausgräber, Sarkophage und Pfeilergräber.
Viele dieser Gräber tragen Inschriften in griechischer oder lykischer Schrift, seltener sind zwei- oder dreisprachige Inschriften.
Gemeinsam mit dem archäologischen und kunsthistorischen Befund lassen sich aus den Texten wichtige Informationen über den lykischen Gesellschaft gewinnen.
Im Vortrag sollen einige Ergebnisse der laufenden Forschung des archäologisch-philosophischen Projekts „Corpus der lykischen Sprachdenkmäler“ der Universität Wien präsentiert werden.

Mittwoch, 13. Mai 2009, 19 Uhr 30 Vortragssaal der VHS im Bürgerhof Euro 4,oo (Abendkasse) Referentin: Dr. Birgit Christiansen, Universität Wien

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Unendlichkeiten.

Das tragische und fruchtbare Ringen des griechischen Geistes mit den Unendlichkeiten

Die griechische Philosophie beginnt mit der grandiosen Vision des Anaximander von Milet, in der das Unendliche als zeugender Urgrund des Seins und gleichzeitig als moralische Agentur beschworen wird. Rauschende Triumphe feiert das Unendliche im Denken Demokrits von Abdera. Hier ist alles unendlich: Es gibt unendlich viele Atome, die seit unendlichen Zeiten in einem unendlichen Raum herumschwirren, zusammenstoßen, sich ineinander verhaken und unendlich viele vergängliche und wieder neu entstehende Welten bilden. Das Reich des Anaximandrisch-Demokritischen Unendlichen wird nun zutiefst gestört durch zwei verheerende Ereignisse: durch die entsetzlichen Paradoxien des Zenon von Elea und die noch entsetzlichere Entdeckung des Phänomens „Inkommensurabilität“ durch den Pythagoreer Hippasos von Metapont. Die griechische Philosophie schien aus den Fugen zu gehen.
Aristoteles versuchte sie zu retten, indem er das „potentielle Unendliche“ - ein ständig wachsendes Endliches—dem „aktual Unendlichen“ entgegengesetzte, das ein fertiges, konstantes, abgeschlossenes, ein „wirkliches“ Unendliches war, - das es aber seiner Meinung nach gar nicht gab ( mit Ausnahme der unendlichen Zeit, in der unsere Welt von Ewigkeit zu Ewigkeit existiert. Diese These von der Ewigkeit der Welt hat dazu geführt, dass die naturwissenschaftlichen Schriften des Aristoteles im 13. Jahrhundert an der damals maßgebenden Universität Paris nicht mehr benutzt werden durften).
Die negative Einstellung des Aristoteles zum Unendlichen hat tiefe Spuren hinterlassen, die aber schließlich auch Positives zeitigten; z.B. hat Euklid aus Scheu vor dem Unendlichen das Parallelenpostulat so kompliziert formuliert, dass schon antike Mathematiker meinten, dieses Postulat könne aus den anderen vier Grundpostulaten bewiesen werden.
Als dies aber in zwei Jahrtausenden intensiver Arbeit nicht gelang, nahm man im 18./19. Jahrhundert den Aufbau einer „nichteuklidischen Geometrie“ in Angriff. Diese Geometrie ist dann die Geometrie der Einsteinschen Relativitätstheorie geworden.

Mittwoch, 29. April 2009, 19 Uhr 30
Aula des Theodor-Heuss-Gymnasiums Ludwigshafen
Euro 4,oo (Abendkasse)
Referent: Prof. Dr. Harro Heuser, Karlsruhe

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Vergils Aeneas: Vom tragischen Verlierer zum Stammvater der Römer

In dem Vortrag soll die Entwicklung nachgezeichnet werden, die der trojanische Held Aeneas vom Untergang Trojas bis zum Sieg über den Rutulerfürsten Turnus in Italien durchläuft.
Im Vordergrund steht dabei diese Heldenfigur zu den griechischen Kämpfern Achill und Odysseus. Damit lassen sich zugleich Beobachtungen über das Verhältnis der Aeneis des lateinischen Dichters Vergil zu den homeriischen Epen Ilias und Odyssee anstellen.

Mittwoch, 25. März 2009, 19 Uhr 30
Vortragssaal der VHS im Bürgerhof
Euro 4,oo (Abendkasse)
Referent: Prof. Dr. Wilhelm Blümer, Universität Mainz

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So verfluchten die Römer.

Die Bleitäfelchenfunde in Mainz (Vortrag mit Lichtbildern)

In der gesamten Antike bestand der Brauch, Prozessgegner, persönliche Feinde und Konkurrenten in Beruf, Rennsport und in der Liebe in kultischer Form schriftlich zu verfluchen.
Bei der Ausgrabung des im Zentrum des antiken wie des heutigen Mainz gelegenen Doppel-Heiligtums der Isis und der Mater Magna wurden 34 gut erhaltene und mit bis zu 46 Zeilen langen Texten beschriftete Bleitäfelchen geborgen. Die Entzifferung der in Kapitalis und sogenannter Älterer römischer Kursive sehr sorgfältig geschriebenen Texte ergab, dass Mater Magna und ihr Kultbegleiter Attis, jedoch niemals Isis für private Rechtsstreitigkeiten angerufen wurden.

Die Verfluchung wurde offenbar von den Verfassern selbst, nicht von Priestern oder professionellen Magiern verfasst und eigenhändig geschrieben. In den Texten fallen phantasievolle magische Vergleiche auf. Mit nur wenigen vulgärsprachlichen Ausnahmen ist das Latein klassisch und zeigt mehrfach sogar rhetorische Figurierung.
Die Mainzer „Defixionum tabellae“ geben detaillierte Einblicke in Religion und Gesellschaft einer noch recht jungen römischen Provinzstadt.

Mittwoch, 18. Februar 2009, 19 Uhr 30
Vortragssaal der VHS im Bürgerhof
Euro 4,oo (Abendkasse)
Referent: Prof. Dr. Jürgen Blänsdorf, Universität Mainz

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